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Nato-Sympathien im freien Fall

Deutsche wollen Frieden mit Russland

Donnerstag, 11 Juni 2015 19:58 geschrieben von 

Washington - Wie aus einer aktuellen Umfrage des Pew-Instituts aus Washington hervorgeht, befinden sich die Sympathien der Deutschen für die Nato und deren Einsätze seit dem Ukrainekonflikt im Sinken. In keinem anderen westlichen Land sei die Bereitschaft zur Erfüllung von Bündnisverpflichtungen so gering wie hierzulande. Das positive Ansehen der Nato sank in Deutschland seit 2009 von 73 Prozent auf nur noch 55 Prozent.

Eine der Fragen, die auf einen Krieg gegen Russland abzielte („Falls Russland in einen ernsthaften militärischen Konflikt geraten sollte mit einem Nachbarland, das unser Nato-Verbündeter ist, sollte unser Land dann ihrer Meinung nach militärische Mittel einsetzen, um dieses Land zu verteidigen?“) verneinte die Mehrheit der Deutschen (56 Prozent). Lediglich 38 Prozent der deutschen Befragten sprachen sich für eine militärische Unterstützung, was der Erfüllung der Bündnisverpflichtungen entspricht, aus.

Auch andere Länder sehen den Konflikt zwischen den Amerikanern und den Russen, der sich am Ukrainekonflikt erneut entzündet hat, kritisch. In Frankreich sprachen sich 53 Prozent der Bevölkerung ebenfalls gegen eine Einsatz in dem in der Frage suggerierten Kriegsfall aus (47 Prozent stimmten für einen Kriegseinsatz). Auch in Italien stimmten 41 Prozent gegen einen Krieg gegen Russland (40 Prozent dafür). Selbst im Russland feindlichen Polen stimmten noch 34 Prozent der Befragten gegen und nicht einmal die Hälfte (48 Prozent) für eine militärische Unterstützung. Innerhalb der Nato-Länder sprachen sich im Durchschnitt 48 Prozent für einen Hilfseinsatz aus, 42 Prozent lehnten diesen ab.

Einen Beitritt der Ukraine in die Nato lehnen 57 Prozent der Deutschen ebenfalls ab. Damit steht die Bundesrepublik mit Italien, wo sich 46 Prozent der Befragten gegen eine Aufnahme aussprachen, allein. Dass sich die Deutschen am liebsten ganz aus dem Ukrainekonflikt heraushalten wollten, zeigt auch das Ergebnis einer weiteren Frage, ob die Nato weiterhin Waffen an die ukrainische Armee liefern solle: Nur 19 Prozent der Deutschen würden dies unterstützen.

„Die Freiheit Europas verlangt, dass alle – auch die Deutschen – Europa notfalls auch militärisch verteidigen“, mahnte der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Hans-Peter Friedrich (CSU) angesichts der Ergebnisse. „Elementarer Bestandteil europäischer Politik ist der Aufbau einer gemeinsamen Verteidigung.“

Jürgen Trittin, Außenpolitiker der Grünen, erklärte hingegen, dass „die Mehrheit der Bevölkerung weiß, dass es kein realistisches Bedrohungsszenario für die Nato und die EU gibt. Es sollte auch nicht herbeigeredet werden. Das spiegelt sich in der Umfrage. Die Beistandsgarantien in Nato und EU haben natürlich Bestand.“

Die Erheber der Pew-Umfrage sehen in den Ergebnissen die große Kluft zwischen den USA und Deutschland gespiegelt. Die gegen Russland gewandte Politik lehnt die Mehrheit des deutschen Volkes ab. Nahezu jeder Dritte hierzulande (29 Prozent) stimmte gegen die Sanktionen gegenüber Russland.

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