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Nato-Pläne wie im kalten Krieg

Deutschland soll militärische Speerspitze gegen Russland sein

Freitag, 05 Dezember 2014 11:28 geschrieben von  Torsten Müller
Kampfpanzer Leopard 2A5 Kampfpanzer Leopard 2A5 Bild: Sicherheitsoffizier ALÜ - PzLehrBtl 334 "CELLE"

Berlin - Bis Anfang des kommenden Jahres will die Nato eine schnelle Eingreiftruppe aufbauen, mit der Russland abgeschreckt werden soll. Propagiertes Ziel ist die Absicherung der osteuropäischen Staaten, weil diese, die EU und die Nato sich selbst einreden, dass Russland kurz davor stünde, sich große Teile Osteuropas einzuverleiben.

Die wesentliche Rolle bei der Eingreiftruppe soll Deutschland spielen. Anfangs soll das Deutsch-Niederländische Korps die Führung übernehmen, danach soll das sächsische Panzergrenadierbataillon 371 „Marienberger Jäger“ mit 900 Soldaten als Unterstützung nachrücken.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg kündigte beim Treffen der Außenminister der Nato-Staaten an, dass erste Einheiten bereits in den nächsten Monaten anrücken sollen. Die sogenannte „Speerspitze“ soll, von Münster aus gesteuert, mit 5.000 Mann innerhalb weniger Tage mobilisierbar sein und an den Ostrand der Nato verlegt werden können. Die Mobilisierungszeit soll allerdings nicht mehr, wie ursprünglich geplant, zwei Tage, sondern eine Woche betragen. Die abgespeckte Variante ist offenbar vor allem der Krise der Bundeswehr geschuldet. Die Truppenteile bleiben in Sachsen und Niedersachen stationiert.

Die östlichen Nato-Mitglieder sollen eine Art Rückversicherung erhalten, was bereits auf dem Nato-Gipfel im September in Wales beschlossen wurde. Die Nato solle abwehrfähiger werden, wegen der Ukraine-Krise sollen gegenüber Russland härtere Bandagen angelegt werden. Fraglich ist, ob es tatsächlich um eine Absicherung der Nato-Mitglieder im Osten Europas gehen soll oder nicht viel mehr um eine gezielte Provokation Russlands.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nannte als primäres Ziel, „die Einsatz- und Führungsfähigkeiten des Bündnisses zu erhöhen“. Deutschland beteilige sich schon jetzt am deutsch-polnischen Kommandozentrum in Stettin und an der Luftraumkontrolle über dem Baltikum.

Experten zufolge dürften selbst Übungen der Eingreiftruppe etwa 25 Millionen Euro kosten. Weil in fast allen Nato-Staaten sinkende Wehretats zu verzeichnen sind, dürften nur Deutschland, Frankreich und Großbritannien in der Lage sein, innerhalb Europas eine solche Truppe zu führen.

Anstatt sich im Russland-Ukraine-Konflikt in Bismarckscher Tradition als ehrlicher Makler zu verstehen, lässt sich Deutschland als willfähriger Kriegsgehilfe missbrauchen und möglicherweise in einen Konflikt mit Russland verwickeln.

Letzte Änderung am Freitag, 05 Dezember 2014 11:37
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