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Wohlstand in Deutschland

Deutschlands Mittelschicht schrumpft zusammen

Freitag, 28 August 2015 17:00 geschrieben von  Susanne Hagel
Uni Duisburg Essen Uni Duisburg Essen Quelle: de.wikipedia.org

Duisburg - Wie eine Studie der Universität Duisburg-Essen herausfand, schrumpft die deutsche Mittelschicht trotz eines neuen Beschäftigungsrekords weiter deutlich zusammen. Den Angaben zufolge sank der Anteil der Haushalte, die ein Einkommen zwischen 2.000 und 7.000 Euro erwirtschafteten auf 48 Prozent. Im Jahre 1993 waren es noch 56 Prozent gewesen. Parallel dazu stieg die Anzahl der Geringverdiener weiter an.

Die Zeiten, da sich Deutschland mit seiner breiten Mittelschicht, die als Zeichen für das erfolgreiche deutsche Wirtschaftsmodell angesehen wurde, rühmen konnte, sind nun auch offiziell vorbei. Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kann diese Negativentwicklung bestätigen und erklärt, dass vor allem im Zeitraum vom Ende der Neunziger Jahre bis etwa 2005 der Anteil der der Mittelverdiener stark sank. Viele Deutsche verloren in diesem Zeitraum ihren Arbeitsplatz und waren anschließend gezwungen, einen schlechter bezahlten Job anzunehmen. Laut den Zahlen des DIW schrumpfte die Mittelschicht seit 1997 bis zum Jahr 2013 von 64 auf 58 Prozent. Die Zahlen des DIW sind um etwa zehn Prozent höher, weil das Institut mit den Nettoverdiensten rechnet und einen etwas abweichenden Definitionsbereich für die Einkommensschichten anwendet.

Trotz halbierten Arbeitslosenzahlen wächst die Mittelschicht also nicht an. „Es ist erstaunlich, dass die Mittelschicht nicht zunimmt, obwohl der Arbeitsmarkt gut läuft“, sagt Grabka. Es sei offensichtlich schwerer geworden, aufzusteigen. Auch rutschen immer mehr Rentner in untere Einkommensschichten ab.

Die Duisburger Autoren der Studie, Gerhard Bosch und Thorsten Kalina, fordern ein Eingreifen der Politik: Sie müssten drastische Lohnerhöhungen bei vielen Tätigkeiten durchsetzen. Die Studie zeige deutlich, dass immer weniger Haushalte in der unteren Mittelschicht und der Unterschicht vom Lohn ihrer Arbeit leben können. Immer öfter müsse der Staat zuschießen. Menschen der Unterschicht hätten kaum mehr eine Chance auf Vollzeitarbeit, sie haben in der Regel nur die Möglichkeit Minijobs oder kurzer Teilzeitarbeit anzunehmen. Gerade die Minijobs haben aber neben der geringen Bezahlung auch den Nachteil, dass weder Krank-, noch Urlaubstage bezahlt würden. Da die Zahl derer steigt, die die Schulen ohne Berufsabschluss verlassen, steige die Anzahl der Unterschichtler, die zusätzliche finanzielle Stütze vom Staat benötigen, weiter an. „Wenn der Sozialstaat schon in guten Zeiten so stark beansprucht wird, besteht die Gefahr, dass er in Krisenzeiten überfordert ist“, warnen beide Forscher.

Als mittleres Einkommen gilt ein Einkommen, wenn es bei einer vierköpfigen Familie zwischen 2.000 und 7.000 Euro brutto im Monat liegt.

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