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OECD-Vergleich:

Deutschlands Rentner sind schlecht abgesichert

Montag, 18 Januar 2016 20:14 geschrieben von  Susanne Hagel
Deutschlands Rentner sind schlecht abgesichert Quelle: PIXABAY.COM

Berlin - Deutsche Rentner schneiden im OECD-Vergleich nicht gut ab: Die gesetzliche Rente sichert die ehemaligen Arbeitnehmer nur ungenügend ab.

Zu diesem Schluss gelangt die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung in ihrer neuesten Studie, die sie gemeinsam mit der Arbeiterkammer Wien und der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft erarbeitet hat. Durchschnittlich erhielten Männer, die 2013 in Rente gingen rund 1.050 Euro als Altersbezüge. Im Nachbarland Österreich erhielten hingegen vergleichbare Rentner rund 1.560 Euro und zwar nicht wie hierzulande üblich jeden Monat, sondern vierzehn mal im Jahr.

Österreich schneidet bei den Betrachtungen ohnehin besser ab, auch was die Aussichten der jetzigen Arbeitnehmergeneration angeht. Allerdings erhebe unser Nachbarland mit 22,8 Prozent auch höhere Beiträge für die gesetzliche Rente als hierzulande (18,7 Prozent). Auch der Anteil, den die Arbeitgeber übernehmen, ist in Österreich mit 12,55 Prozent höher. Weiterhin wirke sich das Arbeitsproduktivitätswachstum günstig aus.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass es dem deutschen Alterssicherungssystem nicht gelingt, durch betriebliche Altersvorsorge und Riester-Rente die drastischen Reduzierungen der gesetzlichen Rente abzufangen. Bei der Einführung war man „viel zu optimistisch“, kritisiert Florian Blank als Studienmitautor. „Deshalb steuern wir bei der Altersvorsorge schwierigen Zeiten zu.“ Das liege auch daran, weil nur rund etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten die betriebliche oder die Riester-Rente überhaupt wahrnehmen könnten. Rund dreißig Prozent aller Arbeitnehmer hingegen seien ausschließlich auf die gesetzliche Rente angewiesen und könnten auf keine der freiwilligen Maßnahmen zurückgreifen.

Wie so oft seien vor allem die Niedrigverdiener, die eine zusätzliche Absicherung am dringendsten brauchen, betroffen. Insgesamt kommen die Studienautoren deshalb zu dem schlechten Ergebnis, dass ein „Standardrentner“ in Deutschland nur auf ein Netto-Rentenniveau von etwa fünfzig Prozent komme. In Österreich hingegen erhalten die Alten 91,6 Prozent. Deutschland liegt demnach am unteren Rand innerhalb aller OECD-Staaten.

„Der Vergleich zeigt. Dass das österreichische System einen deutlich besseren Schutz im Alter durch höhere Leistungen gewährleistet“, betont Camille Logeay, ebenfalls eine Autorin der Studie. „Dabei sind die ökonomischen Rahmendaten in Österreich denen in Deutschland weiterhin vergleichbar – ein starkes öffentliches Rentensystem belastet also offenbar nicht die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes.“

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