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Studie wirft Fragen auf

Die Kanzlerin und ihre digitalen Jobversprechungen

Sonntag, 18 Januar 2015 19:05 geschrieben von 
Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU © Foto: CDU / Dominik Butzmann

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gefiel sich am 4. Dezember des vergangenen Jahres darin, von vielen neuen Arbeitsplätzen zu fabulieren, die durch die Digitalisierung entstehen würden. Auf einem internationalen Kongress zur Digitalisierung der Wirtschaft sagte Merkel: „Auf jeden Fall erfordert eine Prosperität Europas eine positive Einstellung zu den technischen Möglichkeiten der digitalen Welt, denn hier werden weit mehr Jobs entstehen, als Jobs wegfallen durch Digitalisierung in der klassischen Wirtschaft.“

Merkel und ihre CDU wollen mit der sogenannten „Digitalen Agenda“ Innovationen, Gründergeist und Fortschrittsglauben stärken. Vor allem soll den Skeptikern klargemacht werden, dass man sich dieser Entwicklung nicht verschließen dürfe, da sie mehr neue Arbeitsplätze bringt als alte dadurch wegfallen.

Bemerkenswerterweise hat nun ausgerechnet eine Studie aus dem Bundeswirtschaftsministerium, das von ihrem Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) geleitet wird, Zweifel an Merkels Aussagen mit sich gebracht. Eine Antwort des parlamentarischen Wirtschaftsstaatssekretärs Uwe Beckmeyer auf eine Anfrage bezüglich der empirischen Grundlagen der Aussage Merkels nährte nun die Zweifel an Merkels Digitalisierungskonzept. Der Saldo aus neu geschaffenen Arbeitsplätzen und wegfallenden Beschäftigungsverhältnissen sei auf aufgrund der Vielzahl von Einflussfaktoren und möglichen Entwicklungen „nur unter bestimmten Bedingungen abschätzbar“.

Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Prognosen für die Entwicklung des Arbeitsmarktes sind angesichts dieses noch recht jungen Trends mit großen Unsicherheiten verbunden.“ Auch eine negative Bilanz sei durchaus möglich. Man gehe aber aufgrund der historischen Rückschau von einem Beschäftigungsaufbau aus.

Besonders Faktoren wie die Wirtschaftsförderung und Bildungsmöglichkeiten machen eine klare Prognose fast unmöglich. Auch eine detaillierte Analyse des Bundesarbeitsministeriums habe die Einzeleffekte auf den Arbeitsmarkt nicht ausreichend genau prognostizieren können.

Der Wirtschaftsexperte Janecek sagte zur Antwort des parlamentarischen Staatssekretärs: „Die Bundeskanzlerin verspricht blühende Landschaften für alle und ignoriert damit die Realität. Intelligente Technik droht den Arbeitsmarkt zu spalten in diejenigen mit den hoch bezahlten Jobs, die dem Computer Befehle geben, und eine breite Schar an Niedriglöhnern, die die Befehle erhalten.“ Er warnt davor, dass ganze Berufsfelder verdrängt werden könnten. Janecek weiter: „Die Bundesregierung schweigt diese Herausforderungen lieber tot, anstatt sich damit auseinanderzusetzen.“

Letzte Änderung am Sonntag, 18 Januar 2015 19:09
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