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Dürftige „Beweise“ für eine russische „Invasion“

Die OSZE kann keinen russischen Einmarsch erkennen – und der WDR trickst

Donnerstag, 04 September 2014 15:17 geschrieben von  Jens Hastreiter
Logo des WDR Logo des WDR Quelle: WDR

Köln - Einen herben Dämpfer bekam die von der Kiewer Poroschenko-Regierung gemeinsam mit USA und EU geschürte Kriegshysterie über eine angebliche russische Invasion der Ost-Ukraine. Der Sprecher des vorsitzführenden OSZE-Landes Schweiz, Roland Bless, kann nämlich im Gegensatz zu einer Fülle von Medienberichten beim besten Willen keine Präsenz russischer Truppen auf ukrainischem Boden erkennen. Die vom ukrainischen Staatspräsidenten Petro Poroschenko immer wieder behauptete „Invasion“ lasse sich anhand der Befunde der OSZE jedenfalls nicht belegen.

Bless erklärte mit Blick auf die Rolle der OSZE wörtlich: „Die Aufgabe der Beobachtungsmissionen besteht darin, die von anderer Seite dargestellten Sachverhalte zu objektivieren durch ihre Observation vor Ort.“

Gegenwärtig operieren OSZE-Beobachter auf zwei Ebenen im ost-ukrainischen Konfliktgebiet: Einerseits werden an zwei Punkten die Grenzübergänge kontrolliert, andererseits ist die OSZE als „Special Monitoring Mission (SMM)“ im umkämpften Gebiet unterwegs. Durch dieses SMM-Projekt ist die OSZE im gesamten Gebiet gut vernetzt und kann so Truppenbewegungen und Kampfhandlungen bewerten. Auf dieser Grundlage wird eine aktive Rolle regulärer russischer Verbände derzeit ausgeschlossen.

Beobachter hatte angesichts der einschlägigen Medienberichte über eine russische „Invasion“ bereits stutzig gemacht, daß davon kein authentisches Bildmaterial an die Öffentlichkeit gelangte – auch nicht von US-Satelliten, die von anderen Schauplätzen des Weltgeschehens in aller Regel hochauflösende Bilder liefern. Zu den angeblich in der Ukraine vorrückenden russischen Panzerverbänden hüllten sich die amerikanischen Satelliten-Beobachter dagegen in Schweigen.

Massive Fehler in der Berichterstattung über die angebliche militärische Aggression Moskaus in der Ostukraine enthüllte unterdessen der Berliner „Tagesspiegel“. Er konnte der ARD bzw. dem WDR gleich mehrere grobe Schnitzer nachweisen. So hatte der WDR die Behauptung, russische Truppen und Panzer rückten in der in der Ostukraine vor, zunächst mit einem martialischem Foto untermalt. Es zeigte eine Panzerkolonne in einer wüstenartigen Landschaft. Im Bildtext hieß es dazu beim WDR: „Russische Kampfpanzer fahren am 19.08.2014 noch unter Beobachtung von Medienvertretern in der Ukraine.“ Übertitelt war der WDR-Beitrag mit der Zeile: „Russland auf dem Vormarsch?“

Allerdings, so konnte der „Tagesspiegel“ nachweisen, stammte das Bild aus dem Jahr 2008. Der dpa-Bilderdienst Picture Alliance versah das Foto in seiner Datenbank seinerzeit mit einer eindeutigen Bildunterschrift: „Russian Armoured Personnel Carriers and tanks leave their position outside Gori, Georgia, 19 August 2008 in what is seen as a withdrawal from the former Soviet republic after the recent conflict." Zu deutsch: „Russische bewaffnete Mannschaftstransporter und Panzer verlassen ihre Position außerhalb von Gori, Georgien, am 19. August 2008, was nach dem jüngsten Konflikt als Rückzug aus der früheren Sowjetrepublik betrachtet wird.“

Auch beim WDR mußte das Hantieren mit falschem Bildmaterial inzwischen eingestanden werden. Auf Twitter gab man sich kleinlaut – dort teilte der Sender inzwischen mit: „Trotz unseres Anliegens, Bildmaterial sorgfältig zu verwenden, ist uns ein Fehler unterlaufen. Wir bitten, das zu entschuldigen.“

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