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Streit um ein russisches Schiff in Kiel

Die Ukraine-Krise überschattet Kieler Woche und D-Day-Feierlichkeiten

Freitag, 30 Mai 2014 19:29 geschrieben von  Jens Hastreiter

Kiel - Längst hat die Ukraine-Krise auch die Bundesrepublik erreicht. Während Wirtschaft und Bevölkerung der gegen Rußland gerichteten westlichen Sanktionspolitik überwiegend ablehnend gegenberstehen, setzt die Politik weiterhin auf Konfrontation. Auch die Bundesregierung vesucht sich im Kielwasser ihrer transatlantischen Solidarität mit starken Tönen an die Adresse Moskaus.

Das bekam jetzt auch die Kieler Woche zu spüren, die traditionsreiche jährliche Segelschiffregatta, die seit dem 19. Jahrhundert ausgetragen wird und traditionell als eines der größten Segelsportereignisse der Welt gilt. Das Auswärtige Amt hat nun der russischen Marine die Teilnahme an der diesjährigen Kieler Woche verweigert. Einer russischen Fregatte ist die Einlaufgenehmigung für den Kieler Hafen verweigert worden.

Ursprünglich hatte die Stadt die russische Fregatte „Boiky“ zu der Veranstaltung eingeladen und auch eine Genehmigung hierfür erhalten. Diese wurde jetzt aber offenbar wegen der Ukraine-Krise und der damit verbundenen Sanktionen gegen Russland wieder zurückgezogen.

Der Kieler SPD-Oberbürgermeister Ulf Kämpfer sagte laut der Nachrichtenagentur dpa, es stehe ihm nicht zu, zu bewerten, ob die Entscheidung richtig oder falsch sei. „Auch die Kieler Woche ist nicht vom Weltgeschehen abgeschnitten“, gab Kämpfer zu bedenken.

Kritisch wird die Entscheidung des Auswärtigen Amtes dagegen von Kirchenvertretern gesehen. Am Mittwoch meldete sich der Kieler Probst Thomas Lienau-Becker zu Wort und sprach sich für die Teilnahme der russischen Marine an der Kieler Regatta aus. In einem offenen Brief forderte er Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) auf, die Teilnahme doch noch zu genehmigen, wie der Kirchenkreis Altholstein mitteilte.

„Dadurch wird die kostbare Gelegenheit vertan, in einer politisch angespannten Zeit die Basis in den deutsch-russischen Beziehungen zu stärken“, schreibt Probst Lienau-Becker dem Außenminister. Gerade die Kieler Woche trage viel zur Verständigung zwischen Völkern und Nationen bei. „Aus diesem Grunde bin ich erschrocken und entsetzt über die Entscheidung des Auswärtigen Amts, einem Schiff der russischen Marine keine Genehmigung zur Teilnahme an der Kieler Woche zu erteilen.“

Die Kieler Woche findet heuer vom 21. bis zum 29. Juni statt. Unter anderem werden Marineschiffe aus den USA, Großbritannien, Polen, Estland, Litauen, Dänemark, Algerien und den Niederlanden erwartet.

Unterdessen überschattet die Ukraine-Krise offenbar auch die Vorbereitungen der Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie. An den Veranstaltungen am 6. Juni in Frankreich wird auch Russlands Präsident Wladimir Putin teilnehmen. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung wollen mehrere westliche Staats- und Regierungschefs während der Feierlichkeiten allerdings nicht neben Putin stehen, darunter der amerikanische Präsident Barack Obama und Englands Königin Elisabeth II.

Auch ein gemeinsames Abschlußfoto ist bei einigen der geladenen Vertreter unerwünscht. Laut der „Bild“-Zeitung drängt auch das Kanzleramt auf ein deutliches Zeichen der Distanz zu Wladimir Putin. Verantwortlich für das Protokoll und den Ablauf ist Gastgeber Frankreich.

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