www.derfflinger.de

Freigegeben in Politik

Bombardierung Dresdens

Dresden kehrt Erinnerung an deutsche Bombenopfer den Rücken

Dienstag, 10 Februar 2015 17:24 geschrieben von 
Die Luftangriffe zerstörte Innenstadt Dresdens Die Luftangriffe zerstörte Innenstadt Dresdens Quelle: de.wikipedia.org | Foto: Bundesarchiv, Bild 183-Z0309-310 / G. Beyer | CC BY-SA 3.0

Dresden - 2015 jährt sich die Bombardierung Dresdens zum siebzigsten Mal. Während die Stadt die traditionelle Gedenkveranstaltung auf dem Dresdner Heidefriedhof ersatzlos streicht, fordern die Grünen eine Abkehr vom „Opfermythos“. Eine Stadt tut sich schwer mit der Trauer.

„Das Gedenken am 13. Februar schaut jedes Jahr zurück und zementiert den Opfermythos und die Selbstbezogenheit der Stadt“, erklärte der sächsische Grünenfraktionschef Thomas Löser. Man solle den 70. Jahrestag der zerstörenden Bombenwellen stattdessen lieber „als Anlass nehmen, um auch nach vorn zu schauen.“ Das bisherige Gedenken, sei „derart aufgeladen“ und unnötig. Viel besser, so der Grünenpolitiker, „wäre es, wenn ein Fest wie `Dresden ist bunt´ ein jährlich wiederkehrendes Ereignis würde, für ein weltoffenes und demokratisches Dresden.“

Löser begrüßte die Entscheidung der Stadt, in diesem Jahr auf die Gedenkveranstaltung auf dem Heidefriedhof zu verzichten. Traditionell wurde mit der dortigen Kranzniederlegung den zwanzigtausend zivilen Opfern der durch Briten und Amerikaner abgeworfenen Bomben gedacht. Die von dem Bombenhagel oder dem anschließendem Feuersturm, der sich durch die Stadt fraß, Getöteten fanden hier in acht Massengräbern ihre letzte Ruhe.

Wie die sächsische Staatskanzlei erklärte, werde Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) an keiner Kranzniederlegung teilnehmen. „Die Landeshauptstadt Dresden schließt sich unterschiedlichen Initiativen an, die an ganz verschiedenen Orten, darunter auch auf verschiedenen Friedhöfen, stattfinden“, so eine Pressemitteilung der Stadtverwaltung. Man wolle damit dem „eigenverantwortlichen und bürgerschaftlichen Engagement an diesem Tag einen angemessenen Gedenkrahmen“ einräumen. Weiterhin gebe es ein „neues Konzept“ mit einer zentralen Gedenkveranstaltung in der Frauenkirche, zu der in diesem Jahr auch Bundespräsident Joachim Gauck erwartet werde.

Löser freue sich über das Ende der traditionellen Gedenkveranstaltung auf dem Heidefriedhof: Es brauche generell kein vorgegebenes Gedenken durch die Stadt mehr.

„Es wäre am siebzigsten Jahrestag ein wichtiges Zeichen gewesen, an diesem symbolträchtigen Ort wieder eine Gedenkveranstaltung abzuhalten“, bedauerte Frauke Petry (AfD). Sie forderte eine „würdigeres Denkmal, das dem schrecklichen Anlass gerecht wird“.

Der sächsische Generalsekretär der AfD, Uwe Wurlitzer, zeigte sich empört über die Äußerungen seines grünen Kollegen: „Der Dresdner Erlebnisgeneration, deren Kindern und Enkel an diesem Tag der Einkehr ein linksgrünes Radaugaudi vor die Nase setzen zu wollen, beweisst wie hasserfüllt Teile der Partei auf das eigenen Volk blicken, welches es nach deren Lesart nicht besser verdient hat, als 1945 in die Steinzeit zurückgebombt zu werden.“ Er hoffe, die Dresdner erinnern sich bei der nächsten Wahl des Oberbürgermeisters daran, welche Partei ihr „trauerndes Gedenken in Politklamauk, möglichst vielleicht mit Sambarhythmen, zu verwandeln plant“.

Das Bündnis „Nazifrei“ erklärte unterdessen, es distanziere sich von der alljährlich stattfindenden Menschenkette im Rahmen der Gedenkveranstaltungen. „Zum Thema Menschenkette haben wir eine kritische Position. Vor allem nach dem letzten Jahr, wo sich Nazis da auch problemlos einreihen konnten“, so Sprecher Silvio Lang. „Am 13. Februar selber veranstalten wir unseren Täterspurenmahngang. Das bedeutet, wir rufen dazu auf, mit uns einen Stadtspaziergang zu machen zu Orten, an denen Täter und Täterinnen aktiv waren, beziehungsweise an denen NS-Institutionen untergebracht waren.“ Das Bündnis wolle damit einen „Kontrapunkt zu dem unkritischen Gedenken, was hier in Dresden immer noch gepflegt wird, auch siebzig Jahre nach der Bombardierung“ setzen, so Lang.

Der Platz für würdevolles Trauern um die Opfer dieses verheerenden und militärisch völlig unnötigen Bombardements wird in Dresden offenbar immer kleiner.

Artikel bewerten
(2 Stimmen)