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"Wir sind das Volk!"

Dresdner Initiative PEGIDA verzeichnet erneut Zulauf

Dienstag, 02 Dezember 2014 19:04 geschrieben von  Susanne Hagel
Bild von pegida.de Bild von pegida.de

Dresden - Erneut folgten mehrere tausend Bürger am Montagabend dem Aufruf der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (PEGIDA) in Dresden und spazierten trotz massiver linksradikaler Störversuche friedlich durch die Stadt bis die Gegendemonstranten sie zur Umkehr zwangen.

Trotz eisigem Wind und Minusgraden spazierten laut offiziellen Polizeischätzungen rund 7500 Menschen am gestrigen Abend zum mittlerweile siebenten Mal durch Dresden um gegen die Asylpolitik Deutschlands zu demonstrieren. Mit lauten "Wir sind das Volk!"-Rufen und zahllosen Fahnen äußerten Sie ihre Angst vor der zunehmenden Islamisierung unseres Landes, vor einer fehlgeleiteten Asylpolitik und dem Verlust unserer Werte.

Erstmals gab es dabei massive Störungen von linksradikaler Seite. Die rund eintausend Gegendemonstranten versuchten bereits im Vorfeld ein Durchkommen zum Versammlungsort von PEGIDA an der Lingnerallee zu verhindern und beschimpften die Teilnehmenden mit Rufen wie "Nieder das Volk!". Bereits vor dem offiziellen Beginn kam es zu ersten Festnahmen gewaltbereiter Linker der Gegenseite. Nach der Eröffnungsrede des PEGIDA-Versammlungsleiters Lutz Bachmann setzte sich der Zug der Demonstranten in Richtung Theaterplatz in Bewegung. Doch bereits vor der Carolabrücke wurde die Menschenmasse das erste Mal aufgehalten, weil die Polizei Gegner auf der Brücke vermutete, die Steine oder Flaschen werfen könnten. "Es war deutlich hitziger als in den letzten Wochen", erklärte Polizeisprecher Marko Laske. Vereinzelt lieferten sich die Gegendemonstranten Verfolgungsjagden mit der Polizei durch das Stadtzentrum. Als die Bürger schließlich zum Terrassenufer unterhalb der Hochschule für Bildende Künste angelangt, stoppt die Polizei abermals den Spaziergang. In rund zweihundert Meter Entfernung blockieren zunächst nicht mehr als rund 20 Mitglieder des Schwarzen Blocks sitzend die Straße. Da die Polizei nicht räumt und es aufgrund der Lage - rechts die Elbe, links die steile Mauer des Terrassenufers - kein Fortkommen gibt, staut sich der Zug auf. Aufgrund des Zögerns der Polizei erhöht sich die Zahl der an der Sitzblockade teilnehmenden Linken auf rund zweihundert. Die Polizei befürchtet außerdem Steinwürfe von weiteren Linksradikalen vom Terrassenufer aus auf PEGIDA. Die Organisatoren beschließen schlussendlich die Umkehr der Demonstration zurück zur Lingnerallee um eine Eskalation zu vermeiden. Wieder versuchen aggressive Linke, diesmal am Rathenauplatz, den Rückmarsch zu verhindern. Warum die Polizei nicht einschritt, ist derzeit noch unklar. Polizeisprecher Laske erklärte: "Wir hatten 500 Polizisten im Einsatz. Wie es zur Blockade des Terrassenufers kommen konnte, muss nun im Rahmen der Aufbereitung des Einsatzes geklärt werden." Die Polizei hatte die Aggressionsbereitschaft vor allem der Gegendemonstranten unterschätzt, ließ Proteste in Sicht- und Hörweite zu. "Allerdings konnte die Polizei beide Lager trennen, zu Ausschreitungen kam es nicht", ergänzt der Polizeisprecher.

PEGIDA begann vor sieben Wochen als kleines Grüppchen in Dresden gegen die Asylpolitik in der Bundesrepublik zu demonstrieren und hat sich zu einer ernst zu nehmenden Erscheinung gemausert. Von Woche zu Woche erhöht sich die Anzahl der Teilnehmer, die aus allen Schichten und allen Altersklassen und längst nicht mehr nur aus Dresden, sondern aus dem gesamten Bundesgebiet kommen. Mittlerweile wollen dem Dresdner Vorbild auch andere Städte folgen. So finden in Kassel, Ostfriesland, Magdeburg, Leipzig, Düsseldorf, München, Rostock, Würzburg, Braunschweig und Bonn teils bereits ebenfalls derartige Demonstrationen statt, teils sind sie in Planung um "gewaltfrei vereint gegen Glaubenskrieg auf deutschem Boden" zu demonstrieren und den herrschenden Politikern friedlich den Unmut des Volkes bei den Themen Islamisierung, Asyl, Flüchtlinge und Zuwanderer aufzuzeigen.

Diese zeigten sich zunächst reichlich irritiert. Nach anfänglichen Versuchen, die Proteste einzig in eine rechtsradikale Ecke zu stecken, macht sich mehr und mehr Hilflosigkeit breit. Während Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) nun an die Menschlichkeit der Sachsen gegenüber Flüchtlingen appellierte - und damit am eigentlichen Thema völlig vorbei redete, als er sagte: "Alle diejenigen, die zu uns kommen, weil sie vor Krieg und Verfolgung flüchten, sollen hier Schutz oder auch eine neue Heimat finden können", warnte Innenminister Markus Ulbig (CDU): "Wir müssen genau hinsehen, ob nicht unter den Organisatoren Rattenfänger sind - und undemokratische Populisten, die eine Stimmung wie Wasser auf ihre Mühlen nutzen." Die Entwicklung sehe er mit Sorge. Doch selbst er kommt nicht umhin, festzustellen, dass längst "nicht alle, die da mitlaufen, Nazis oder Rechte sind", ruft aber dennoch zur Wachsamkeit und zum Misstrauen gegenüber PEGIDA auf. Die Ministerin für Gleichstellung, Petra Köpping (SPD) war gestern sogar selbst vor Ort um sich ein Bild zu machen. "Ich bin gekommen, um mir die Demo vor Ort anzuschauen. Politiker müssen sich mehr zeigen. Allerdings bin ich jetzt sprachlos. Es ist eine unangenehme Situation hier. Wir müssen handeln, miteinander reden!", erklärte sie. Christian Demuth vom Verein "Bürger Courage" versucht das Phänomen PEGIDA zu erklären. Man sei "in ein politisches Vakuum hineingestoßen", die Bürger fühlten sich von ihren Volksvertretern nicht repräsentiert. Eine davon, die Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) kritisierte die Bewegung erneut scharf. "Viele der Mitläufer nutzen die Demo als Ventil für ihre Ängste und Sorgen. Dennoch darf man sich nicht zum Trittbrettfahrer machen lassen. Ich hoffe, dass sich die Menschen von rechtsextremen Gedanken distanzieren und den Hintergrund der Veranstaltung durchschauen", so Orosz. Der Direktor der Technischen Universität Dresden, Hans Müller-Steinhagen, sah sich ebenfalls zu einer Stellungnahme gezwungen und erklärte: "Natürlich sind wir alle von den Gräueltaten des Islamischen Staates (IS) entsetzt und abgestoßen. Aber davon auf das Verhalten aller Muslime, aller Flüchtlinge und Asylbewerber zu schließen, ist falsch und gefährlich und spielt rechtsradikalen Gruppierungen in die Hände." Diese würden Unsicherheiten und latente Angst vor dem Unbekannten und Fremden missbrauchen, um Abneigung und Widerstand gegen Flüchtlinge zu schüren, so Müller-Steinhagen. Er rief seine Studenten dazu auf, sich nicht an den PEGIDA-Demonstrationen zu beteiligen. Die Semperoper hängte ein großes Transparent mit der Aufschrift "Für eine weltoffene Gesellschaft" an ihrer Frontseite auf.

Wie gewohnt erklärte unterdessen PEGIDA-Sprecher Lutz Bachmann gebetsmühlenartig, wofür PEGIDA - entgegen der Aussagen der Politiker und sogenannten Experten - steht:   "Wir haben nichts gegen den Islam, sondern gegen die Islamisierung Europas. Wir haben nichts gegen Ausländer, halten es aber für notwendig, dass alle, die nach Deutschland kommen, sich integrieren wollen und nicht kriminell in Erscheinung treten." Er wolle, dass unsere Kinder auch zukünftig mit unseren Werten aufwachsen können, dass sie Weihnachtsmärkte als Weihnachtsmärkte kennenlernen und nicht wie jüngst in Berlin aus Rücksicht auf diverse Religionen als "Wintermarkt". Er wolle, dass endlich Schluss ist mit der "Vergewaltigung unserer Sprache", die durch den Trend der Genderisierung gerade allerorten geschieht. Er wolle, dass sich "die vom Volk gewählten Politiker" endlich wieder "den wirklichen Problemen in unserem Land" zuwenden - die 7500 Demonstranten wollen das auch, wie ihre zahllosen Rufe "Wir sind das Volk!" belegen.

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