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Atomare Bad Bank

E.on lagert Risiken aus

Freitag, 05 Dezember 2014 12:03 geschrieben von  Torsten Müller
Logo der e.on AG Logo der e.on AG Quelle: E.on

Magdeburg - Der größte deutsche Energiekonzern E.on will einen grundlegenden Kurswechsel vollziehen. Der Konzern soll umgebaut werden, was den Steuerzahlern möglicherweise milliardenschwere Risiken aufbürdet. So sollen die Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke in eine eigene Gesellschaft abgestoßen werden. E.on selbst will sich künftig auf das Geschäft mit Ökostrom und Energienetzen konzentrieren. Vorstandschef Johannes Teyssen sagte dazu: „Das bisherige breite Geschäftsmodell von E.ON wird den neuen Herausforderungen nicht mehr gerecht.“ Laut Teyssen verbleiben die Kapitalmarktverbindlichkeiten bei E.on, das Unternehmen werde sämtliche Verbindlichkeiten „vollständig bilanziell abdecken“.

Geplant ist, dass das entstehende Unternehmen von den bisherigen E.on-Aktionären mehrheitlich gehalten werden soll. In dieser abgespaltenen „Bad Bank“ sollen auch die finanziellen Rückstellungen für den Abriss der Atomkraftwerke übernommen werden. Auch soll das zu gründende Unternehmen die Endlagerung des Atommülls schultern. Bisher habe das Unternehmen laut Teyssen dafür 14,5 Milliarden Euro zurückgelegt. Ebenso sollen die Bereiche Exploration und Produktion ausgegliedert werden. 20.000 Beschäftigte sollen in die Bad Bank wechseln. 40.000 Mitarbeiter verbleiben im bestehenden Unternehmen, das das Ökostromgeschäft, die Strom- und Gasnetze sowie das Vertriebsgeschäft betreiben soll. Mit Blick auf das Gasgeschäft sagte Teyssen: „Wer die Gasversorgung in Europa sichern will, wird an diesem Unternehmen nicht vorbeikommen.“

Möglicherweise werden auch andere Energieversorger ähnlich auf die fallenden Großhandelspreise reagieren, was die Debatte um eine Atomstiftung wieder anfachen dürfte. Auch Vattenfall hatte bereits erklärt, aufgrund des Drucks der neuen rot-grünen Regierung Schwedens künftig stärker auf Ökostrom setzen zu wollen.

Auf E.on lasten Schulden in Höhe von 31 Milliarden Euro, in den letzten Jahren wurden Milliardensummen bei Zukäufen in Südeuropa versenkt.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) geht derzeit nicht davon aus, dass der Bund für den Abbau und die Entsorgung der Atomkraftwerke und des Atommülls aufkommen muss – ausschließen kann er es jedoch nicht. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums wollte sich zu dem Verdacht, dass E.on die Risiken auf eine atomare Bad Bank übertragen wolle, nicht äußern. Bärbel Höhn von den Grünen sagte dazu: „Ich befürchte, dass E.on eine Bad Bank für seine sieben Atomkraftwerke schafft, die von den Steuerzahlern gerettet werden muss.“

Auch wenn Gabriels Ministerium bisher abwiegelt, erhärtet sich der Verdacht, dass die Steuerzahler letztlich die Dummen sein werden, die für den Großteil der Kosten des Atomausstiegs aufkommen müssen.

Letzte Änderung am Freitag, 05 Dezember 2014 12:10
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