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Angst vor der Epidemie

Ebola in Madrid beweist, wie schnell es gehen kann

Freitag, 10 Oktober 2014 15:01 geschrieben von  Torsten Müller
Ebolavirus Ebolavirus Bild: Giovanni Cancemi / Quelle: Fotolia.com

Berlin - Bisher hieß es immer, Ebola könne sich in Europa nicht ausbreiten, weil die Sicherheitsvorkehrungen viel zu umfassend seien. Man sei auf alle Fälle vorbereitet und könne infizierte Personen sehr schnell isolieren.

Dass dies nur bedingt der Wahrheit entspricht, machte erst kürzlich der Fall eines Infizierten aus Liberia deutlich, der in die USA einreiste und dort erst sechs Tage nach der Einreise einen Arzt aufsuchte, weil er über Symptome klagte, die auch für Ebola typisch sind. In dieser Zeit hätte er unzählige Personen anstecken können. Ähnliches ist auch in Europa möglich.

Ein aktueller Fall aus der spanischen Hauptstadt Madrid belegt, dass das Notfallmanagement vielerorts zu wünschen lässt. Eine spanische Pflegerin hat sich mit Ebola infiziert, als sie sich mit ihrem Handschuh ins Gesicht fasste. Obwohl sie daraufhin über eindeutige Symptome klagte, wurde sie nicht isoliert, sondern mit Paracetamol nach Hause geschickt. In der Klinik, in der die Spanierin arbeitete, starben in den letzten Monaten zwei spanische Missionare nach ihrer Rückkehr aus Westafrika an Ebola.

Die Infizierte hatte sich dreimal an die Behörden gewandt und über Ebola-typische Symptome geklagt, doch wurde erst mit großer Verzögerung unter Quarantäne gestellt. Zwischenzeitlich können sich andere Patienten, das Personal in der Notaufnahme sowie in der Klinik bei ihr angesteckt haben. Mittlerweile wurden fünf weitere Personen unter Quarantäne gestellt. Ebenso hat man sich in Madrid über eine Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen verständigt. Aufgrund des Vorfalls ist das Krisenmanagement der spanischen Gesundheitsministerin in die Kritik geraten. Sie kündigte an, dass die Regierung „mit der größtmöglichen Transparenz und der größtmöglichen Verantwortlichkeit in Zusammenarbeit mit allen spanischen, europäischen und internationalen Institutionen.“

Die EU-Kommission hat nun angekündigt, Pflegepersonal und Reisende umfassender über das Virus informieren zu wollen. Die Kommission erwartet weitere Ebola-Fälle in Europa, weil mittlerweile tausende europäische Helfer nach Afrika gereist sind.

Ob lediglich eine verbesserte Informationspolitik ausreichen wird, um die berechtigte Angst der Bürger vor einer Ebola-Epidemie in Europa abzubauen, bleibt fraglich. Die Vorfälle in den USA und Spanien haben deutlich gemacht, dass es hochgradig riskant ist, Ebola-Fälle nach Deutschland einzufliegen, um sie hier zu behandeln.

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