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Ingmar Knop: "Rechte hat keine Ahnung von Kultur"

Ehemaliger DVU-Vize und NPD-Anwalt Ingmar Knop kehrt rechter Szene den Rücken

Donnerstag, 04 Dezember 2014 19:36 geschrieben von  Johann W. Petersen
Ingmar Knop Ingmar Knop Quelle: NPD

Berlin - Es gibt erneut einen prominenten „Ausstieg“ aus dem rechten Lager zu vermelden: Wie der Berliner „Tagesspiegel“ unter Berufung auf einen Artikel in der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe der „Zeit“ berichtet, hat der Dessauer Rechtsanwalt und ehemalige DVU- und NPD-Parteivorständler Ingmar Knop seiner bisherigen politischen Heimat den Rücken gekehrt.

„Ich habe mich lange belogen“, so der 39-Jährige Rechtsanwalt, der laut „Tagesspiegel“ in dem „Zeit“-Beitrag ausführlich Auskunft über die Motivation für den Einstieg bei der politischen Rechten im Jahr 2004 und seine Erfahrungen mit der Szene gibt. Ausschlaggebend sei damals der Glaube gewesen, bei der Rechten werde die deutsche Kultur hochgehalten und verteidigt. Im Laufe der Jahre sei ihm aber immer klarer geworden, dass „fast keiner dort hat eine Ahnung“ davon habe, „was das eigentlich ist“. Sein Fazit nach einem Jahrzehnt sei deshalb: „Die Kulturdichte ist nirgends geringer als bei DVU oder NPD.“

Auffällig an dem Ausstieg Knops ist, dass er diesen wenige Monate nach dem knappen Scheitern der NPD, wieder in den Sächsischen Landtag einzuziehen, vollzieht. Der Jurist war in der vergangenen Legislaturperiode bei der sächsischen NPD-Fraktion beschäftigt. Nachdem er durch den verpassten Wiedereinzug dort seinen Arbeitsplatz verlor, ist er nun wieder ganz auf seine freiberufliche Tätigkeit als Anwalt zurückgeworfen. Möglicherweise spielen also auch finanzielle Gründe eine Rolle für seinen medial gepushten Szeneausstieg.

Knop war neben seiner Tätigkeit als Anwalt für rechte Klienten früher Landesvorsitzender der Deutschen Volksunion (DVU) in Sachsen-Anhalt und 2006 auch Spitzenkandidat der Partei zur Landtagswahl. Nach dem Rückzug des DVU-Gründers Dr. Gerhard Frey amtierte der „Schöngeist“ (so die „taz“) von 2009 bis 2010 auch als stellvertretender Vorsitzender der Bundespartei. Nach der Fusion der DVU mit der NPD gehörte er zeitweilig dem Parteivorstand der Nationaldemokraten an. Für die NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag war Knop von 2009 bis 2014 tätig.

Wie ein früherer Mitarbeiter der sächsischen NPD-Fraktion gegenüber „Derfflinger“ erklärte, gehörte zu Knops Aufgabenbereich dort nicht nur die juristische Beratung, sondern „regelmäßig auch das Schreiben von Reden“, beispielsweise zu kulturpolitischen Themen. „Hier hat er doch einen sehr eng gefassten Kultur- und Kunstbegriff durchschimmern lassen, der recht verstaubt wirkte“, so der frühere Arbeitskollege Knops. Einmal soll einer seiner Reden sogar vom Fraktionsvorstand abgelehnt worden sein.

Der ehemalige NPD-Fraktionsmitarbeiter hierzu: „Es ging dabei um Israel. Da musste man die Notbremse ziehen, weil der Entwurf doch sehr stark antisemitische Züge aufwies, die möglicherweise sogar in den Bereich des strafrechtlich Relevanten gingen.“ Der Ausstieg Knops habe ihn überrascht, wenngleich er öfter den Eindruck gehabt habe, dass der Anwalt mit der rechten Szene „fremdelt“. „Ihm fehlte das, was man in der Parteipolitik als Stallgeruch bezeichnet“, so der Ex-Fraktionsangestellte gegenüber „Derfflinger“. Man darf also gespannt sein auf die „Enthüllungen“ in der „Zeit“. „Derfflinger“ wird weiter darüber berichten.

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