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Erstaufnahmeeinrichtungen in Ostdeutschland

Ein Drittel aller Asylanten „verschwindet“

Montag, 21 Dezember 2015 06:09 geschrieben von  Susanne Hagel
Ein Drittel aller Asylanten „verschwindet“ Ein Drittel aller Asylanten „verschwindet“ Quelle: PIXABAY.COM

Magdeburg - Tausende Flüchtlinge „verschwinden“ noch immer aus den Erstaufnahmeeinrichtungen in Ostdeutschland: Schätzungen der neuen Bundesländer gehen von bis zu dreißig Prozent aller verteilten Asylbewerber aus, die innerhalb der ersten Tage nach ihrer Ankunft einfach untertauchen.

Eine Umfrage der „Saarbrücker Zeitung“ bei den Innenministerien der ostdeutschen Bundesländer kam demnach zu dem Schluss, dass innerhalb der letzten zwölf Monate zwar 30.300 Asylantragsteller nach Brandenburg gebracht wurden, aktuell aber nur 24.600 Personen dort nachzuweisen sind. Der Rest sei „einfach verschwunden“.

Die Behörden gehen in der Regel davon aus, dass die Asylanten auf eigene Faust durch die Republik reisen. Vermutete Ziele seien demnach Großstädte oder Asylunterkünfte, in denen Verwandte oder Bekannte untergebracht sind.

Auch in Sachsen-Anhalt verblieben nur 32.600 der 36.400 Asylbewerber, die eintrafen. Das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern vermeldet eine Quote von zehn bis fünfzehn Prozent an verschwindenden Asylanten.

Ähnliche Zahlen vermeldet der Freistaat Thüringen: Die Quote der „individuellen Abreisen“ liege laut Angaben von Oliver Will, Sprecher des Migrationsministeriums, bei zwanzig bis dreißig Prozent. Ganz genau könne man es aber nicht sagen, dafür laufe der Registrierungsvorgang noch immer zu chaotisch. „Die Flüchtlingszahlen im Freistaat sind derzeit kaum berechenbar“, erklärte Will.

Hinzukämen täglich rund vierzig Asylanten, die selbstständig nach Thüringen einreisten, um sich registrieren zu lassen. Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass darunter auch Personen sind, die bereits in anderen Bundesländern Anträge auf Asyl gestellt haben. Das sei schon deshalb schwierig, weil es mehrere deutsche Schreibweisen für identische arabische Namen gebe, so Will. Thüringen hofft deshalb, dass der angekündigte bundesweit einheitliche Flüchtlingspass bald eingeführt ist.

„Es ist nachvollziehbar, dass sich die Geflüchteten zu Verwandten oder Freunden begeben und versuchen, so schnell wie möglich Anschluss und Arbeit zu finden“, erklärte Katja Kipping, Parteichefin der Linken. Schließlich suchten die Asylbewerber nach wochenlanger, oft lebensgefährlicher Flucht vor allem Sicherheit. Schuld sei das „Versagen des Staates“, der die Asylanten in „völlig überfüllte Notunterkünfte, in denen es keine Rückzugsmöglichkeit gibt, Dauerstress herrscht und – wie in Dutzenden Fällen geschehen – der braune Mob sie vor der Tür mit Hassparolen übersät und mit Anschlägen bedroht.“

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