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Peinliche Justizpanne

Ein NSU-Opfer soll nie existiert haben

Samstag, 03 Oktober 2015 17:12 geschrieben von  Torsten Müller
Ein NSU-Opfer soll nie existiert haben Ein NSU-Opfer soll nie existiert haben

München - In den letzten Monaten war es recht ruhig um den NSU-Prozess in München geworden. Doch immer wieder gab es seit dem Bekanntwerden der Existenz der sogenannten Zwickauer Terrorzelle große Ungereimtheiten, die möglicherweise nie in Gänze aufgeklärt werden können.

Nun hat sich eine weitere Panne ereignet. Ein angebliches Opfer des Kölner Nagelbombenanschlags soll nie existiert haben. Der Anwalt der Person, Ralph Willms saß somit 230 Verhandlungstage im Gericht, ohne dass es dafür einen Grund gegeben hätte. Willms wurde möglicherweise getäuscht, was die Existenz seiner Mandantin betrifft. Der Anwalt scheint kein einziges Mal mit seiner Mandantin gesprochen oder sie getroffen zu haben.

Laut der Gebührenordnung hat der Anwalt zweieinhalb Jahre lang 400 Euro pro Verhandlungstag kassiert. Die Sprecherin des Oberlandesgerichts München, Barbara Stockinger konnte noch nicht mitteilen, ob die Summe möglicherweise zurückerstattet werden muss. Stockinger dazu weiter: „Die Fakten müssen erst einmal ermittelt werden, wir wissen noch gar nichts, wer oder ob getäuscht wurde.“

Bisher scheint niemandem aufgefallen zu sein, dass das ärztliche Attest, das für die angebliche Nebenklägerin ausgestellt wurde, identisch war mit einem, das für einen anderen Nebenkläger ausgestellt wurde. Auch wurde die Person, die offenbar nie existierte, nie von der Polizei als Zeugin vernommen.

Willms hat seinen Auftrag nun niedergelegt und Anzeige gegen den Betrüger gestellt, der ihm das vermeintliche Opfer untergeschoben hatte. Stockinger sagte dazu, dass es nicht Aufgabe des Gerichts sein könne, zu überprüfen, ob eine Zeugin oder eine Nebenklägerin tatsächlich existiert. Stockinger dazu weiter: „Wenn ein Rechtsanwalt als Organ der Rechtspflege eine Mandantschaft anmeldet, dann gibt es keine Veranlassung für das Gericht, dem zu misstrauen. Niemand überprüft das.“

Die von vielen Prozessbeobachtern geäußerte Vermutung, dass einige Personen versuchen, Profit aus dem NSU-Prozess zu schlagen, dürfte nicht unrealistisch sein.

Letzte Änderung am Samstag, 03 Oktober 2015 17:39
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