www.derfflinger.de

Freigegeben in Politik

Ausstieg aus der Kohleindustrie

Energieexperten fordern Kohle- durch Gaskraftwerke zu ersetzen

Freitag, 21 November 2014 16:31 geschrieben von  Susanne Hagel

Köln - Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) könne die Bundesrepublik jährlich bis zu 23 Millionen Tonnen Kohlendioxidausstoß einsparen, wenn alle alten Kraftwerke abgeschaltet würden.

Angesichts der Tatsache, dass sich die Bundesrepublik verpflichtet hat, ihren Kohlendioxidausstoß bis 2020 im Vergleich zu 1990 um wenigstens 40 Prozent zu senken, muss Deutschland künftig seinen Ausstoß drastisch reduzieren. Bereits jetzt gehen Forscher davon aus, dass eine Reduktion von 33 Prozent realistisch ist, die angestrebten vierzig Prozent jedoch unerreichbar. Zu einem Drittel könne der Bereich in Höhe von rund siebzig Millionen Tonnen Kohlendioxid verringert werden, würde man Steinkohlekraftwerke mit einer Kapazität von drei Gigawatt und Braunkohlekraftwerke mit einer Kapazität von sechs Gigawatt stilllegen, so die DIW-Experten. Stattdessen empfiehlt DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert,  Stein- und Braunkohlekraftwerke durch effizientere Gaskraftwerke zu ersetzen.

Etwa 85 Prozent aller bei der Stromproduktion anfallenden Emissionen entstehen heutzutage in den Kohlekraftwerken. Würden ineffiziente Kraftwerke abgeschaltet werden, stiege zwar der Börsenstrompreis an, die Wirtschaftlichkeit der Gaskraftwerke würde dadurch jedoch verbessert, so Kemfert. "Es ist kaum zu erwarten, dass Privathaushalte mehr zahlen müssten." Betroffen von den Stilllegungen wären vor allem die großen Energieversorger RWE und Vattenfall.

Im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung, die den Grünen nahesteht, und der European Climate Foundation wurde die Studie erstellt. Angesichts "der Unwucht auf dem Strommarkt" hält die Stiftung eine schrittweise Abschaltung von Kohlekraftwerken für unverzichtbar. Die Grünen und diverse Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace unterstützen diese Forderung.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte erst unlängst auf einer Veranstaltung der Deutschen Energieagentur (Dena) deutlich gemacht, dass er einen Ausstieg aus der aktuellen Kohlepolitik angesichts des Rückbaus der Atomkraftanlagen derzeit für nicht realisierbar erachtet. Umweltaktivisten wie Greenpeace, die dennoch vehement den Ausstieg aus der Kohleindustrie forderten, warf er "blauäugigem Ökopopulismus" vor. Sie hingen den "Illusionen der Energiewende-Propaganda" an. Gerade heute, in der Übergangsphase der Energiewende hin zu erneuerbaren Energien, seien Kohlekraftwerke unverzichtbar.

Artikel bewerten
(5 Stimmen)