www.derfflinger.de

Freigegeben in Politik

Thüringer Bildungsministerin offen für Vorschlag

Erfurter Imam fordert islamischen Religionsunterricht

Freitag, 23 Januar 2015 21:08 geschrieben von 
Bildschirmfoto vom 23.01.2015 der Webseite: erfurter-moschee.com Bildschirmfoto vom 23.01.2015 der Webseite: erfurter-moschee.com Quelle: erfurter-moschee.com

Erfurt - Der Erfurter Imam Abdullah Dündar fordert die Einführung von islamischen Religionsunterricht in Thüringer Schulen.

„Es fehlt muslimischen Kindern, Religion zu lernen“, erklärte der Vorsitzende der Erfurter Moscheengemeinde. Es gebe viele deutsche Lehrer, die wenig Respekt vor dem Islam hätten und diesen deshalb im Unterricht vernachlässigten. „Muslime werden langsam religionslos hier“, kritisierte Dündar. Die pädagogische Erziehung müsse diese Lücke schließen, forderte er. Der Islam sei zwar eine tolerante Religion, erwarte aber genauso, tolerant behandelt zu werden.

Imam Abdullah Dündar wurde in der Vergangenheit mehrfach als Salafist bezeichnet, was er selbst jedoch abstreitet. 2012 wurde bekannt, dass dem Landesamt für Verfassungsschutz Hinweise vorliegen, „dass Dündar Bestrebungen verfolgt, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet sind.“ Dündar arbeitet als islamischer Gefängnisseelsorger in den Thüringer Haftanstalten Tonna und Goldlauter. Wie das Landesamt berichtete, unterstützt Dündar die „Errichtung eines islamischen Gottesstaates“ mit uneingeschränkter Gültigkeit des Religionsgesetzes, der Scharia.

Dietmar Herz (SPD), bis 2014 der zuständige Staatssekretär im Thüringer Justizministerium, erklärte: „Ich sehe keine Gewaltbereitschaft bei Herrn Dündar“ und habe deshalb auch keine Veranlassung etwas zu ändern. Um ihn für die Seelsorge auszuschließen, reichten die Erkenntnisse des Verfassungsschutzes nicht aus.

Friedmann Eißler, Islamreferent der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, sagte: „Was ich von ihm sehe, macht klar, er gehört zu den führenden Leuten.“ Salafisten erkennen den Staat nur als „vorläufige Konstruktion“ an. Da die Gesetzgebung einzig Gott vorbehalten sei, lehnen sie die Demokratie ab, so Eißler.

Derzeit leben nach offiziellen Angaben des paritätischen Wohlfahrtverbandes rund 7.800 Muslime in Thüringen. Damit stellen sie einen Anteil von rund 0,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Allerdings rechnet das Migrationsministerium zukünftig mit einem starken Anstieg, angesichts der für das neue Jahr erwarteten mindestens neuntausend Asylbewerber. Allein im letzten Jahr seien rund sechstausend, vorwiegend muslimische Antragsteller in den Freistaat eingereist. Die Regierung sucht derzeit nach einem geeigneten Standort für die Errichtung eines weiteren Erstaufnahmelagers um die nächste Welle auffangen zu können.

Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke) signalisierte Gesprächsbereitschaft gegenüber den Forderungen des Imam. Es sei bereits bei den Koalitionsverhandlungen zwischen rot-rot-grün überlegt worden, muslimischen Unterricht einzuführen, erklärte sie. Allerdings habe es bisher die Notwendigkeit dafür nicht gegeben, da die Anzahl der im Freistaat lebenden Muslime zu gering sei.

Die CDU-Politikerin Gudrun Holbe erklärte, ein solcher Unterricht könne zur Integration beitragen „und radikalislamischen Ideologien das Wasser abgraben“. Derzeit werde evangelischer, katholischer und jüdischer Religionsunterricht an Thüringer Schulen erteilt. Die Lehrpläne hierfür würden in Zusammenarbeit mit den betreffenden Religionsgemeinschaften vom Freistaat erstellt und müssten im Einklang mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen. „Muslime gehören zu Deutschland“ und sie dürfen ihren Glauben bekennen und praktizieren, so Holbe. „Das ist eine wesentliche Voraussetzung für gelingende Beheimatung und Integration und ändert nichts daran, dass Deutschland zutiefst durch die christlich-jüdische Tradition geprägt ist“, so die Thüringer CDU-Politikerin.

Artikel bewerten
(3 Stimmen)