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Wohnungsmarkt:

Erschreckende Obdachlosigkeit in Deutschland!

Dienstag, 06 Oktober 2015 23:57 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Erschreckende Obdachlosigkeit in Deutschland! Erschreckende Obdachlosigkeit in Deutschland! Quelle: PIXABAY.COM

Berlin - Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. (BAG W) veröffentlichte aktuelle Zahlen zum Wohnungsmarkt, die einen drastischen Anstieg der Wohnungslosigkeit in Deutschland zu Tage förderten. Die BAG W veröffentlicht regelmäßig ihre Schätzung zur Zahl der Wohnungslosen, da es in Deutschland keine bundeseinheitliche Wohnungsnotfall-Berichterstattung auf gesetzlicher Grundlage gibt, wenngleich auch diese Forderung bereits mehrmals gestellt wurde. Nach den aktuellen Zahlen waren 2014 ca. 335.000 Menschen in Deutschland ohne Wohnung, was einen Anstieg um etwa 18 % seit 2012 bedeutet. Die BAG W prognostiziert von 2015 bis 2018 sogar einen weiteren Zuwachs um 60 %, d.h. 200.000 auf dann 536.000 wohnungslose Menschen. Auch die Zahl derjenigen Wohnungslosen, die gänzlich ohne jede Unterkunft auf der Straße leben, stieg zwischen 2012 und 2014 um 50 % an und betraf rund 39.000 Personen. Den Anteil der Kinder und Jugendlichen bezogen auf die Gesamtgruppe der im Jahr 2014 Wohnungslosen schätzt die BAG W auf 9 %.

Problemverschärfend erwiesen sich die etwa 86.000 neuen Wohnungsverluste in 2014. Seit 2002 gibt es eine Million Sozialwohnungen weniger und unabhängig, ob Bund, Länder oder Kommunen beraubte sich die öffentliche Hand spürbar Möglichkeiten, preiswerten Wohnraum zur Verfügung zu stellen, indem eigene Wohnungsbestände meistbietend an private Investoren verkauft wurden. Laut BAG W fehlen in Deutschland mindestens 2,7 Millionen Kleinwohnungen, weshalb es in manchen Ballungsgebieten zu erheblichen Mietpreissteigerungen kam, insbesondere bei den kleinen Ein- bis Dreizimmerwohnungen. Die Wohnungslosenhilfe beklagt zu wenige Fachstellen zur Verhinderung von Wohnungsverlusten in den Kommunen und Landkreisen, die zu einer Vermeidung drohender Wohnungsverluste beitragen könnten. Es müßten stärker die gesetzlichen Möglichkeiten nach SGB II und SGB XII zur Anwendung kommen. Weiter kritisiert die BAG W die im Zuge der Föderalismusreform 2006 erfolgte Dezentralisierung der Wohnungspolitik auf die Länder als Fehlentscheidung und fordert mehr bundespolitische Verantwortung.

Wohnungspolitik müsse als Daseinsvorsorge verstanden und die Mittel für den Sozialen Wohnungsbau über Jahre hinweg drastisch erhöht werden, um den Fehlbestand an preisgünstigen Wohnungen ausgleichen zu können, so der BAG W-Vorsitzende Winfried Uhrig, der den Bau von 400.000 Wohnungen im Jahr, davon mindestens 150.000 preiswerte Wohnungen und Sozialwohnungen, für nötig erachtet. Einziges Bundesland mit einer Wohnungsnotfallstatistik ist Nordrhein-Westfalen, die Bundesregierung jedoch erteilte dem Ansinnen einer Übernahme für den Bund erst im Juli eine Absage. - In welcher Weise die derzeitige Flüchtlingswelle das Wohnraumproblem noch potenzieren wird, wurde in der Veröffentlichung des BAG W ausgeklammert. Allerdings ist es unübersehbar, daß die Politik derzeit fast ausschließlich bemüht ist, der ins Land strömenden Völkerwanderung eine Unterkunft zu verschaffen und nicht vorrangig den einheimischen Wohnungssuchenden.

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