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Kosmetische Schläge gegen die ISIS

US-Senator: „Wir haben ISIS bewaffnet“ - Es bleibt bei Hilfslieferungen und Luftangriffen

Montag, 11 August 2014 12:26 geschrieben von  Jens Hastreiter
ISIS Truppe im Irak ISIS Truppe im Irak Quelle: 4.bp.blogspot.com

Washington - Die US-Luftwaffe hat am Freitag die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS, vormals ISIS) im Nordirak angegriffen. US-Kampfflugzeuge hätten dabei IS-Stellungen attackiert, nachdem die Dschihadisten kurdische Truppen nahe der Kurdenhauptstadt Erbil mit Artillerie beschossen hätten, erklärte Pentagon-Sprecher John Kirby. Einen Einsatz mit Bodentruppen lehnen allerdings die USA ebenso wie andere westliche Länder ab.

Nach Einschätzung von Experten werden die Luftschläge den Vormarsch der Terror-Milizen kaum aufhalten, dafür aber zu massiven Opfern unter der Zivilbevölkerung führen. So äußerte der russische Politologe Alexej Arbatow, Leiter des Zentrums für internationale Sicherheit an der Russischen Akademie der Wissenschaften: „Gegen die Partisanen muß eine speziell ausgebildete reguläre Armee kämpfen. Luftangriffe werden da kaum helfen.“ Und: „Luftangriffe fordern als Kollateralschaden viele zivile Opfer, denn die Partisanen mischen sich absichtlich unter Zivilisten.“ Arbatow glaubt auch nicht, daß die US-Luftangriffe den von den Islamisten eingeschlossenen Kurden helfen können. Ohne eine Entsendung von Kampfeinheiten lasse sich der Vormarsch der islamischen Extremisten kaum stoppen.

Bei den Angriffen am Freitag hatten zwei Link Kampfflugzeuge vom Typ F/A-18 Hornet mit 500 Pfund schweren, lasergelenkten Waffen Stellungen der ISIS-Milizen bombardiert. Die Jets waren vom Flugzeugträger Link USS George H. W. Bush im Arabischen Golf gestartet. Pentagon-Sprecher Kirby stellte später klar, derartige Einsätze würden fortgesetzt, falls nötig. Am Freitagabend meldete das Pentagon dann zwei weitere Luftangriffe in der Nähe der Stadt Erbil. Ein Angriff wurde mit einer Drohne geflogen, der zweite mit vier Kampfjets, wieder vom Typ F/A-18. Ziele waren jeweils Artilleriestellungen der Dschihadisten.

Am Abend zuvor hatte US-Präsident Obama dem Militär zwei Aufträge erteilt, nämlich „gezielte Luftschläge zum Schutz amerikanischer Truppen sowie humanitäre Anstrengungen, um bei der Rettung Tausender irakischer Zivilisten zu helfen, die festsitzen auf einem Berg ohne Nahrung und Wasser und sonst einem fast sicheren Tod ausgeliefert wären". Bei den bis zu 50.000 Menschen handelt es sich um Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden.

Die US-Regierung war in den letzten Monaten wachsender Kritik ausgesetzt, weil sie die Gefahr durch die im syrischen Bürgerkrieg zur akuten Bedrohungen gewachsenen ISIS-Terroristen zu lange unterschätzte. Beobachter weisen darauf hin, dass die USA den raschen Geländegewinnen der ISIS-Milizen im Irak tatenlos zusahen (während etwa im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet kaum ein Tag ohne amerikanische Drohnenangriffe auf „Terroristen“ vergeht). Eine bereits 2011 getätigte Bestellung amerikanischer Kampfflugzeuge durch die irakische Regierung im Wert von mehr als zwei Milliarden Dollar wurde bis heute nicht ausgeliefert. Auch die kurdische Autonomieregierung im Nordirak, die bereits vor der Einnahme Mossuls angeboten hatte, mit eigenen Kämpfern gegen die ISIS-Milizen vorzugehen, wartet bis heute auf eine Antwort aus Washington.

Die Zurückhaltung der USA, an der sich auch nach den jüngsten Luftschlägen nichts ändern dürfte, findet ihre Erklärung womöglich in einem knappen Eingeständnis des republikanischen Senators Rand Paul in einem CNN Interview im Juni: „Wir haben ISIS in Syrien bewaffnet.“

Letzte Änderung am Montag, 11 August 2014 14:27
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