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Umweltverschmutzung: "Jute statt Plastik"

EU-Abgeordnete stimmen für Plastiktütenverbot

Sonntag, 23 November 2014 02:49 geschrieben von  Susanne Hagel

Straßburg - Um die Umwelt und vor allem die Meere vom Plastikmüll zu befreien, plant die EU ein Gesetz zur Begrenzung von Plastiktüten. Der erste Schritt ist mit der Zustimmung der 28 Mitgliedsstaaten erfolgt.

Zukünftig sollen die Staaten Gebühren oder Steuern auf leichte Plastetüten, die häufig nur einmal genutzt werden, erheben. Bis Ende 2025 soll der Verbrauch auf 40 Stück pro Bürger sinken - europaweit. Noch 2010 lag der Verbrauch achtzig Prozent höher. Die hauchdünnen Obst- und Gemüsetüten oder robustere Einkaufsbeutel aus dickeren Plastik sind von den Sanktionen nicht betroffen. Während der europäische Durchschnitt im Verbrauch bei etwa 176 Tüten lag, nutzten wir Deutschen mit durchschnittlich 64 Einwegtüten diese eher selten.

Der Abbau einer Plastiktüte dauert über hundert Jahre. Bereits heute treiben riesige Plastikinseln aus zusammengespültem Müll in unseren Meeren. Im Laufe der Zersetzung entstehen mikroskopisch kleine, für Tier und Pflanzen schädliche Partikel. Insbesondere die Vögel und Fische leiden darunter, weil sie sich im Müll verfangen, Teile davon fressen oder an den kleinen Partikeln verenden. "In der Nordsee enthalten die Bäuche von 94 Prozent aller Vögel Plastik", so ein Bericht der EU-Kommission. Kunststofftüten seien bereits mehrfach in den Eingeweiden bedrohter Schildkröten gefunden worden und immer wieder würden sich Vögel und Fische in den Tüten verfangen. Wie das Europaparlament erklärte, würden in der EU jedes Jahr rund 100 Milliarden Einwegplastiktüten verbraucht, rund acht Milliarden davon landeten durch achtloses Wegwerfen schlussendlich in den Meeren.

Bereits vor den Europawahlen hätte man sich bereits auf die Rahmenbedingungen geeinigt, verschob die Abstimmung der Länder jedoch auf Herbst diesen Jahres. "Die Maßnahmen, die wir verabschiedet haben, sind längst überfällig", erklärte Jutta Haug, SPD-Europaabgeordnete. Die Grünen-Politikerin Rebecca Harms erklärte: "Es ist dringend notwendig, den Plastikmüll und seine Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit in den Griff zu bekommen." Dies könne nun mit den neuen Vorschriften erreicht werden. Christa Klaß, CDU-Abgeordnete, begrüßte die Maßnahmen ebenfalls, kritisierte jedoch die Möglichkeit der Verbote, weil ihrer Meinung nach Gebühren die bessere Wahl wären. Irland habe so mit Hilfe einer geringen Gebühr den jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von über dreihundert auf 21 Tüten senken können.

Am Montag wird nun die Abstimmung des Umweltausschusses des Europaparlaments erwartet. Stimmt dieser zu, müssen die Minister der EU-Länder noch formell die Annahme bestätigen, ebenso das Plenum des Europaparlaments.

Letzte Änderung am Sonntag, 23 November 2014 15:39
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