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EU-Gertechtigkeitsindex der Bertelsmann Stiftung

EU droht die soziale Spaltung

Sonntag, 14 September 2014 23:30 geschrieben von  Susanne Hagel
EU droht die soziale Spaltung Quelle: bertelsmann-stiftung.de

Brüssel - Laut dem EU-Gerechtigkeitsindex, den die Bertelsmann Stiftung berechnete, droht der EU eine soziale Spaltung zwischen den wohlhabenden Ländern im Norden und dem ärmeren im Süden.

"Dies birgt Zündstoff für den gesellschaftlichen Zusammenhalt innerhalb der EU. Sollte die soziale Spaltung lange andauern oder sich sogar noch weiter verschärfen, gefährdet dies die Zukunftsfähigkeit des europäischen Integrationsprojekts", heißt es aus dem Papier, das am Montag veröffentlicht werden soll. Demnach sei das Niveau der sozialen Gerechtigkeit seit 2008 in einem Großteil der 28 EU-Staaten gesunken. Mittels 35 Punkten untersucht der EU-Gerechtigkeitsindex unter anderem Themen wie Armutsvermeidung, Zugang zu Bildung und zum Arbeitsmarkt, Gesundheit, Generationengerechtigkeit, gesellschaftlicher Zusammenhalt und Nichtdiskriminierung in allen EU-Ländern. Dazu werden statistischen Daten mit qualitativen Einschätzungen von etwa 100 Wissenschaftlern verarbeitet. Deutschland landete dabei hinter Schweden, Finnland, Dänemark und den Niederlanden auf Rang sieben. Damit liegt Deutschland im Mittelfeld, wenn auch eine geringe Steigerung hierzulande des Maßes der sozialen Gerechtigkeit beobachtet werden konnte. Als ursächlich für diese leichte Besserung machen die Experten die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt verantwortlich. Dennoch sei eine gute Wirtschaftskraft "kein automatischer Garant für soziale Gerechtigkeit". Beim Thema Bildungsgerechtigkeit liegt Deutschland nur im Mittelfeld und bei der Gesundheitsversorgung weist die Bundesrepublik zwar eine hohe medizinische Qualität auf, liegt aber bei den zu erwartenden „gesunden Lebensjahren“ nur unterdurchschnittlich auf Platz 23.

Die Experten wollen das Thema soziale Gerechtigkeit künftig stärker ins Zentrum der europäischen Politik rücken. Der EU-Gerechtigkeitsindex solle dann jährlich erhoben werden.

"Dass sich in Europa eine immer größere Gerechtigkeitslücke auftut, dürfen wir nicht tatenlos hinnehmen. Demokratie braucht aber nicht nur freie Wahlen, sondern auch das Versprechen, dass man aufsteigen kann, wenn man sich anstrengt", meint EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD). Dringend geboten sei seiner Meinung nach die Bekämpfung der extrem hohen Jugendarbeitslosigkeit innerhalb der EU, "weil sie unsere Gesellschaften von innen zerstört". Der Vorsitzende der CDU im Europäischen Parlament, Herbert Reul, warnt hingegen: "Ich kann nur vor dem üblichen Reflex warnen, gleich wieder mehr Geld für diese Länder zu fordern. Mit der Devise "mehr Kohle" kann man das Problem nicht lösen." Den Ländern, die schlecht abschnitten, fehle es noch immer an dringend benötigten Strukturen und Wissen. 

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