www.derfflinger.de

Freigegeben in Politik

Privatsphärenschutz

EU-Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager warnt vor Datenmissbrauch im Internet

Mittwoch, 20 Januar 2016 05:43 geschrieben von  Susanne Hagel
Margrethe Vestager Margrethe Vestager Quelle: de.wikipedia.org | Johannes Jansson/norden.org | CC BY 2.5 dk

Brüssel - Anlässlich der Eröffnung der Internetkonferenz DLD in München warnt die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager vor dem Verlust der Privatsphäre im Internet.

„Wenn wir nicht privat sein können, wer sind wir dann?“, fragte die dänische Politikerin und warb für einen gerechten Ausgleich zwischen Datenschutz und Datenaustausch im Weltnetz. Angesichts der gigantischen Datenströme dürfe man nicht vergessen, wie wichtig der Schutz der eigenen Privatsphäre bleibe.

Die Internetnutzer müssten in der Lage sein, nachzuvollziehen, was mit ihren Daten geschieht, wenn sie sie angeben und mit wem sie diese teilen. Das Misstrauen gegenüber Onlinehändlern sei groß. Viele Kunden fürchteten um die Sicherheit ihrer Daten. „Das ist ein Problem“, so Vestager. Auch müsse es dem Nutzer möglich sein, eine gewisse Kontrolle über seine Daten auszuüben, sie gegebenenfalls wieder löschen zu können oder an einen anderen Anbieter problemlos weiterreichen zu können.

Datenschutz sei keine Frage des Wettbewerbs und sollte nicht zwischen Internetkonzernen entschieden werden. Sie forderte die Einführung fester Regeln, die den Unternehmen vorschreiben, wie sie sich zu verhalten haben, wenn es um die Nutzung der vertraulichen Daten ihrer Kunden gehe. Unternehmen, die Datenmissbrauch betreiben, sollten hingegen bestraft werden.

Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jens Spahn (CDU), sieht den Sachverhalt hingegen anders. Er warnte in seiner Rede zum Start der DLD davor, durch zu viel Datenschutz den Anschluss bei der Digitalisierung Europas zu verpassen. Es passiere „zu wenig, zu spät, zu langsam“, mahnte er. Noch immer hielten sich die Investoren innerhalb der EU zurück. In Amerika hingegen werde gerade eine große Summe in das sogenannte Venture Capital gesteckt. Trotz niedriger Zinsen und genügend Finanzmitteln greife dieser Trend jedoch noch nicht über. „In den USA sammelt man erst einen Berg von Daten und denkt dann darüber nach, welche Geschäftsmodelle man auf dieser Basis entwickeln kann“, so Spahn. Das sei in Deutschland nicht erlaubt: Hier dürfe man diese nur zu bestimmten Zwecken sammeln und müsse sie danach wieder löschen. „Mit diesen zwei verschiedenen Ansätzen kann kein deutsches Unternehmen jemals mit einem amerikanischen konkurrieren“, kritisierte er.

Der Kritik schloss sich der Vorsitzende der Startup-Fabrik Rocket Internet, Oliver Samwer, an. Europa und Deutschland zeichne sich aktuell durch eine sehr niedrige Risikobereitschaft aus, während in den USA gerade eine starke Startup-Kultur heranwachse.

Letzte Änderung am Mittwoch, 20 Januar 2016 05:46
Artikel bewerten
(1 Stimme)