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Unzureichend gewappnet

Expertentagung: Deutschland ist auf die salafistische Herausforderung unzureichend vorbereitet

Dienstag, 22 Juli 2014 20:26 geschrieben von  Jens Hastreiter
Expertentagung: Deutschland ist auf die salafistische Herausforderung unzureichend vorbereitet Quelle: www.rnf.de

Berlin - Die islamistische Bedrohung wird immer deutlicher auch in unseren Breiten spürbar. Längst warnen die Sicherheitsbehörden vor der Gefahr kampferprobter Syrien-Kämpfer, die nach Deutschland zurückkehren, und erst dieser Tage machte der Berliner „Tagesspiegel“ auf die schleichende Islamisierung an deutschen Schulen mit einem hohen Anteil an muslimischen Zuwandererkindern aufmerksam.

Auf einer Fachtagung zum Thema „Salafisten“, die am Dienstag in Bonn von der Bundeszentrale für politische Bildung veranstaltet wurde, hörte sich das ziemlich resigniert an. Die Experten waren sich weitgehend einig: die islamistische Radikalisierung junger Menschen sei mit den bisherigen Mitteln kaum in den Griff zu bekommen. Es fehle an Wissen, Geld und Personal. Zudem fühlten sich die Schulen oft überfordert und alleingelassen.

Um den Zulauf zur gewaltbereiten Salafistenszene zu bremsen und Heranwachsende vor einer islamistischen Radikalisierung zu schützen, ist man den Experten zufolge in der Bundesrepublik noch nicht gut gewappnet. Für eine gezielte Prävention müßten vor allem die wichtigen Schule und Jugendhilfe mehr über den Salafismus und über Radikalisierungsverläufe wissen. Das hob der Islam- und Politikwissenschaftler Michael Kiefer von der Universität Osnabrück hervor. Mehr Beratung, Schulung und längerfristige Präventionsprojekte seien nötig.

Die salafistische Szene wirkt besonders auf Jugendliche und junge Erwachsene anziehend. Die Anhänger vertreten dabei einen rückwärtsgewandten Ur-Islam, Teile der Bewegung werden von Experten und Verfassungsschützern als demokratiefeindlich und extremistisch eingestuft. Laut der Expertin Claudia Dantschke vom Zentrum Demokratische Kultur werden gegenwärtig von bundesweit rund 6000 Salafisten 850 dem militanten Spektrum zugerechnet – Zahlen, die auch das Bundesinnenministerium bestätigt.

NRW-Verfassungsschutzpräsident Burkhard Freier führte in Bonn aus, es sei nicht zielführend, den expandierenden extremistischen Salafismus zu verteufeln. Man müsse vielmehr einen Einstieg der jungen Leute in die Szene verhindern. Mit ihrer Radikalisierung hätten viele den gefährlichen Wunsch, aktiv zu werden. „Syrien ist jetzt das Zugpferd, um im extremistischen Salafismus Fuß zu fassen." Dort würden die Aspiranten aus dem Ausland einige Wochen im Terror ausgebildet und dann als „Kanonenfutter“ mißbraucht. Die meisten seien jung, männlich, hätten einen deutschen Paß, oft Migrationshintergrund, fühlten sich nicht anerkannt und suchten Orientierung, so der Verfassungsschützer.

Der Politikwissenschaftler Kiefer wiederum kritisierte, daß wichtige Präventionsprojekte aus finanziellen Gründen in der Regel nur auf wenige Jahre begrenzt seien. Aber: „Prävention muß immer auf Dauer angelegt sein, das kann kein temporäres Geschäft sein.“ Ohne ausreichendes Personal und mehr fachliche Kompetenz sei die Aufgabe nicht zu bewältigen. Auch für Schulen, die sich oft ratlos und überfordert zeigten, gelte es Konzepte zu entwickeln. Die Kommunen seien in der Jugendhilfe unterschiedlich gut aufgestellt. Um die Prävention zu stärken, müsse zudem der Austausch, auch unter den Bundesländern, besser werden.

In vielen Moscheegemeinden ist zwar das Radikalisierungsproblem erkannt, wie Kiefer berichtete. Es fehle aber ganz überwiegend die Bereitschaft, aktiv an einer Prävention mitzuarbeiten, die sich letztlich gegen die eigene Religion richte. Nur „eine Handvoll“ der Moscheegemeinden in Deutschland sei hier mit im Boot. Viele befürchteten offenbar, mit Fundamentalismus und Terror in Verbindung gebracht zu werden.

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