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Christian Lindner buhlt um Spitzenmanager

FDP will sich mit Wirtschafts-Netzwerk retten

Dienstag, 11 November 2014 21:59 geschrieben von  Torsten Müller
FDP-Vorsitzender Christian Lindner, MdL FDP-Vorsitzender Christian Lindner, MdL Quelle: FDP

Düsseldorf - Die FDP kämpft ums Überleben. Stellen sich nicht bald nennenswerte Wahlerfolge ein, dürften auch die letzten politischen Hoffnungsträger die Partei entnervt verlassen. Die Partei, die früher als „Partei der Besserverdienenden“ galt, will diese Kernklientel zurückerobern. Internen Überlegungen zufolge plant der Parteivorsitzende Christian Lindner, ein parteiinternes Netzwerk zu installieren, mit dem Unternehmer und Manager stärker an die Partei gebunden werden sollen.

Das Netzwerk soll neue Ideen, Spenden und möglicherweise auch neues Personal bringen. Konkret soll es am 15. November und 2. Dezember werden. Die Treffen werden in Düsseldorf und Dortmund stattfinden. Für diese beiden Tage sind konstituierende Treffen des Gremiums mit dem Arbeitstitel „Netzwerk Liberale Agenda 2025“ geplant. Dazu sollen jeweils etwa 20 Unternehmer, Manager und Wissenschaftler eingeladen sein.

Die nordrhein-westfälische Schatzmeisterin der FDP, Marie-Christine Ostermann sagte dazu: „Das sind alles Menschen, die sich wieder eine starke liberale Partei in Deutschland wünschen.“ Auch wenn sie noch keine Namen nennen könne, erhofft die Partei sich vor allem „Ideen und Impulsgebung für neue inhaltliche Konzepte sowie die Außendarstellung der Partei.“ Marie-Christine Ostermann, die im Mittelstand als sehr gut vernetzt gilt, ist erst im Jahr 2013 Mitglied der FDP geworden.

Ziel des Projekts ist es ganz offiziell, der FDP wenigstens noch die Kernwählerschaft und damit das Überleben zu sichern. Auslöser für diese unkonventionelle Maßnahme ist nicht nur das Dahinsiechen der eigenen Partei, sondern auch die Tatsache, dass sich SPD und Grüne auch immer wirtschaftsfreundlicher zu geben versuchen. Da die Partei nur noch in sechs Landesparlamenten vertreten ist, sie im Jahr 2013 ihre üppig finanzierte Bundestagsfraktion eingebüßt hat, ist sie aber vor allem auch auf Geldgeber angewiesen. Auch bei den im nächsten Jahr anstehenden Wahlen in Hamburg und Bremen sieht es für die FDP alles andere als rosig aus. Seit dem Absturz im letzten Jahr musste die Partei ihre Kosten um etwa 40 Prozent reduzieren.

Laut Bundesschatzmeister Hermann Otto Solms hatte sich die Partei gegenüber ihren Gläubigern verpflichtet, in diesem Jahr eine Million Euro Überschuss zu erzielen. Da Großspenden seit der Bundestagswahl ausblieben, dürfte dieses anvisierte Ziel kaum noch realistisch zu erreichen sein. Ostermann sagte dazu: „Bevor wir um neue Spenden bitten, müssen wir erst wieder etwas Überzeugendes zu bieten haben.“

Dass die FDP am Boden liegt, hat sie sich selbst zu verdanken. Sie hat in den letzten Jahren darauf verzichtet, auch national- oder sozialliberale Strömungen einzubinden, hat sich nur noch mit wirtschaftsliberalen Impulsen zu Wort gemeldet. Dieser Weg soll nun offenbar fortgeführt werden, was die FDP mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht wiederbeleben können wird.

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