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Verteidigungspolitik

Finnland bereitet Reservisten auf Krisensituation vor

Dienstag, 05 Mai 2015 13:16 geschrieben von  Dirk Schneider
Finnland bereitet Reservisten auf Krisensituation vor Quelle: PIXABAY.COM

Helsinki - Aktuell heizt Finnland die Debatte um eine mögliche Eskalation mit Russland an, weil es in einem Brief insgesamt 900.000 Reservisten auf ihre Rolle in einer Krisensituation einschwört und dazu aufruft, die persönlichen Daten zu aktualisieren.

Zuvor lief bereits in der vergangenen Woche eine Ankündigung der Aktion im finnischen Fernsehen. „Wir müssen mit Ihnen reden!“ Und weiter heißt es in dem Spot: „Die Wehrpflicht ist der Eckpfeiler der finnischen Verteidigungsfähigkeit.“ Alle Männer zwischen zwanzig und sechzig Jahren werden anschließend zur Aktualisierung ihrer Daten aufgerufen.

Finnlands Verteidigungsminister Carl Haglund will aber keinen Zusammenhang zwischen der derzeit angespannten Beziehung zu Russland und dem Aufruf sehen. Über einen Sprecher des Verteidigungsministeriums ließ er erklären, dass die Briefe „keine Verbindung zur Sicherheitslage rund um Finnland“ haben. Vielmehr sei die Aktion bereits vor zwei Jahren beschlossen worden. „Viele Reservisten sind daran interessiert, welche Rolle sie haben würden. Daher ist es gut, dass wir ihnen regelmäßig Informationen geben können, was für sie geplant ist.“ In aller Deutlichkeit widersprach er im finnischen Rundfunk Yle noch einmal der Behauptung, die Briefaktion sei als Warnung in Richtung Kreml gedacht: „Es ist nicht das Ziel, irgendeine wie auch immer geartete Botschaft zu senden.“

Finnland teilt sich eine 1.340 Kilometer lange Grenze mit Russland. In den vergangenen Monaten sollen russische Flugzeuge mehrfach die Grenze überflogen haben. Vergangene Woche wurde vor der finnischen Küste nahe Helsinki ein „Unterwasserobjekt“ geortet und durch Warnschüsse vertrieben. Bereits im vergangenen Oktober suchte die schwedische Marine sieben Tage lang nach einem vermeintlichen U-Boot, welches in ihre Gewässer eingedrungen sein sollte.

Finnland und Schweden sind keine NATO-Mitglieder. Bisher fehlt für einen Eintritt in dieses Militärbündnis die notwendige Mehrheit im Volk. Wie Haglund erklärte, habe aber Russlands Vorgehen in der Ukrainekrise die Diskussion um eine mögliche NATO-Mitgliedschaft angeheizt. „Das Letzte, was die Russen sehen wollen, ist, dass ihre Nachbarn der NATO beitreten. Ironischerweise hat die Krise aber eine NATO-Diskussion in Finnland und Schweden ausgelöst und die Unterstützung für die NATO erhöht“, so Haglund.

Da die überwiegende Mehrheit der Finnen und Schweden einen Beitritt bisher ablehnt, findet sich auch keine Partei, die eine Mitgliedschaft forcieren will. „Die finnische Nation lässt keinen Zweifel am Ernst ihrer Unabhängigkeit. Sie kooperiert trotzdem auf fast allen Gebieten mit dem Westen, achtet aber sehr genau darauf, eine institutionalisierte Feindschaft mit Russland zu vermeiden“, lobte der frühere US-Außenminister Henry Kissinger und empfahl der Ukraine ein ebensolches Vorgehen – ohne Eintritt in die NATO.

„Finnland überlebte den Kalten Krieg wegen seiner Politik der Neutralität“, erklärte Haglund. Zwar sei man Mitglied der EU und im Programm „Partner für Frieden“, aber weiter wolle das Volk nicht gehen. Zu groß sei die Furcht in Kriege größerer Mächte hineingezogen zu werden. Auch sei die Vorstellung von fremden Truppen oder Atomwaffen auf eigenem Boden absolut inakzeptabel.

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