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Wegen PEGIDA

Forscher wollen Deutschland für die Zuwanderung neu erfinden

Dienstag, 06 Januar 2015 21:21 geschrieben von  Torsten Müller
Forscher wollen Deutschland für die Zuwanderung neu erfinden Quelle: pixabay.org

Magdeburg - Wenn man meint, verrückter ginge es nicht mehr, sieht man sich in diesem Land immer wieder aufs Neue getäuscht. Politiknahe Forscher des Rates für Migration haben angesichts der zahlreicher werdenden Anti-Islamisierungs-Proteste dazu aufgerufen, ein neues Leitbild für Deutschland zu entwickeln. Der Begriff „Wir Deutsche“ müsse neu definiert werden. In diesem Zusammenhang sprechen sie sich für ein pluralistisches Leitbild aus, das auch Eingang in die Lehrpläne von Schulen findet.

Die Forscher versuchen vor allem auch der etablierten Politik verloren gegangene Sicherheit zurückzugeben. Kaum ein Politiker weiß, wie er PEGIDA behandeln soll. Soll er die Proteste ignorieren, verurteilen oder aber vielleicht durch geheucheltes Verständnis für die Sorgen und Ängste der Bürger aufbringen, die da in Dresden und anderen Städten Deutschlands allwöchentlich auf die Straße gehen?

Im Rahmen einer Bundespressekonferenz haben die Forscher vom Migrationsrat dargelegt, dass man sich mit PEGIDA ernsthaft auseinandersetzen müsse. Der Wissenschaftler Werner Schiffauer konstatiert in der Frage der Zuwanderung „über Pegida hinaus ein Riss durch die Gesellschaft“. Es bedürfe nun nicht kurzatmiger Erklärungen, sondern eines neuen gesellschaftlichen Leitbilds, an dem sich alle Menschen in Deutschland orientieren können. Es sei seiner Auffassung nach eine Illusion, man könne der Zuwanderung „durch Grenzziehungen Herr werden“.

Schiffauer weiter: „Es ist wichtig, dass wir den Begriff 'Wir Deutsche' neu definieren.“ In diesem Zusammenhang fordert er eine Leitbildkommission, die mit Politikern und Vertretern von Einwanderern und Minderheiten besetzt und von der Bundesintegrationsbeauftragten Aydan Özoguz (SPD) geleitet werden soll. Diese Kommission solle noch in der laufenden Wahlperiode zusammenkommen.

Die Kommission solle erarbeiten, „wie der Zusammenhalt in einer pluralistischen republikanischen Gesellschaft gelingen könne“. Auch solle in den Schulen vermittelt werden, dass Zuwanderung für Deutschland wichtig sei. Das Leitbild „Deutschland ist kein Einwanderungsland“ habe zu lange gegolten und müsse nun als überholt bezeichnet werden.

Den Vogel abgeschossen hat allerdings die Wissenschaftlerin Naika Foroutan vom Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung, die anmerkte, man dürfe Integrationspolitik nicht nur auf die Migranten fokussieren. PEGIDA mache deutlich, dass auch viele Demonstranten Integrationskurse bräuchten.

Wie gesagt: es wird immer verrückter.

Letzte Änderung am Dienstag, 06 Januar 2015 21:26
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