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"Wir wollten Deutschland bestrafen"

Früherer NSA-Mitarbeiter belegt intensive Kooperation zwischen BND und NSA

Montag, 30 Juni 2014 11:25 geschrieben von  Jens Hastreiter
Neubau der Zentrale Neubau der Zentrale Quelle: Screenshot www.bnd.bund.de

Berlin - Die Kritik an der flächendeckenden Bespitzelung auch der bundesdeutschen Bevölkerung durch den US-Geheimdienst NSA will nicht abreißen. Zunehmend in  die Kritik geraten aber auch deutsche Behörden, die offenbar in großem Maßstab mit den NSA-Spitzeln kooperieren und diese Zusammenarbeit auch unerachtet der wachsenden Kritik weiter fortsetzen.

Jetzt bestätigte ausgerechnet ein früherer Mitarbeiter des US-Dienstes schlimmste Vorwürfe von Datenschützern und Juristen. Dem Ex-NSA-Spion Thomas Drake zufolge setzte sich die Zusammenarbeit von BND und NSA nämlich chronisch „über alle verfassungsmäßigen Beschränkungen" hinweg. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 sei Deutschland zum Ausspähziel Nummer eins geworden. Drake will in dieser Woche vor dem NSA-Untersuchungsausschuß des Bundestages aussagen.

Drake machte bereits im Vorfeld seiner Aussage mehreren Zeitungen gegenüber das Ausmaß der ständigen Kooperation zwischen BND und NSA deutlich. Und noch ein pikantes Detail enthüllte der frühere NSA-Mitarbeiter: Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 sei Deutschland zum Ausspähziel Nummer eins geworden. So habe die NSA die Bundesrepublik dafür bestrafen wollen, daß die Attentäter dort leben, trainieren und ungestört kommunizieren konnten. Das habe das Verhältnis zu „euren Jungs vom BND" noch vertieft, vertraute Drake dem „Spiegel" an.

Einem erstmals erschienenen „Transparenzbericht" zufolge hat die NSA im vergangenen Jahr fast 90.000 ausländische Ziele ausgespäht. Will man den Aussagen Drakes glauben, dann richtete sich ein Großteil dieser Späh-Aktivitäten gegen Deutschland. Aktuell sickerte durch, daß auch die neuen, abgeblich abhörsicheren Handys, die Mitglieder der Bundesregierung erhalten hatten, nachdem aufflog, daß auch das Mobiltelefon der Kanzlerin von den NSA-Schlapphüten angezapft wurde, schon wieder „geknackt" worden seien. Doch auch dieser Affront dürfte die transatlantische Geheimdienst-Kooperation kaum beeinträchtigen.

Thomas Drake gilt als hochrangiger Mitarbeiter in der NSA-Hierarchie. Er ist ebenso wie sein früherer Kollege William Binney diese Woche zum NSA-Untersuchungsausschuß des Bundestages geladen. Es ist das erste Mal, daß dort öffentlich Zeugen einvernommen werden.

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