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Studie des LKA Niedersachsen:

Frauen zeigen Sexualdelikte selten an

Donnerstag, 28 Januar 2016 03:45 geschrieben von  Susanne Hagel
Frauen zeigen Sexualdelikte selten an Frauen zeigen Sexualdelikte selten an

Hannover - Wie eine Dunkelfeldstudie des Landeskriminalamtes (LKA) Niedersachsen ergab, zeigen deutsche Frauen nach sexuellen Übergriffen noch immer nur sehr selten ihre Peiniger an, obwohl sie unter den Delikten leiden.

Wie die Zahlen zeigten, wurden 2014 schätzungsweise nur 5,9 Prozent aller Sexualdelikte zur Anzeige gebracht, erklärte Uwe Kolmey, der Präsident des LKA. „Das ist bemerkenswert und deutet auf eine Bagatellisierung bei den Opfern hin.“ Insgesamt wurden mehr als 20.000 Niedersachsen befragt. 1,5 Prozent davon wurden bereits Opfer einer Sexualtat. In der Regel handelte es sich dabei um Frauen im Alter von sechzehn bis 34 Jahren. Meist handelte es sich dabei um Fälle von Bedrängung, doch auch Missbrauchsfälle und Vergewaltigungen waren darunter.

Oftmals würden Übergriffe im öffentlichen oder privaten Raum von den Frauen einfach ertragen und hingenommen, erklärte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD). Vielen Frauen sei nicht klar, dass die erlebte Belästigung bereits eine Straftat sei.

Rechnet man die Ergebnisse der Dunkelfeldstudie anhand der niedersächsischen Polizeistatistik für 2014 hoch, ergeben sich bei 1.484 angezeigten Sexualdelikten eine Dunkelziffer von mindestens 21.200 Taten. Dabei zeigte sich, dass vor allem Missbrauchsfälle zur Anzeige gebracht wurden: 38,2 Prozent der Anzeigen betreffen solche Vorfälle. Frauen, die bedrängt wurden, gingen lediglich in 5,6 Prozent der Fälle zur Polizei. Der Mehrheit der Frauen geht es bei einer Anzeige vor allem darum, zu verhindern, dass der Mann seine Tat wiederholen kann (70,5 Prozent). 13,9 Prozent der Frauen gaben an, durch das Erlebnis emotional belastet zu sein, 2,9 Prozent erlitten gesundheitliche Folgen.

51,1 Prozent der Opfer verzichteten auf die Anzeige der Straftat, weil sie glauben, die Tat sei nicht schwerwiegend genug. 42,8 Prozent der Frauen regelten die Angelegenheit selbst oder wollten lieber ihre Ruhe haben (32,1 Prozent). 13,4 Prozent der Frauen erklärte, die Angst vor dem Täter hielt sie von einer Anzeige ab.

Christian Pfeiffer, Kriminologe, erklärt zudem, dass die meisten Anzeigen ohnehin im Sande verlaufen. Das Gesetz erfasse die Straftaten nicht adäquat. Viel zu oft würden die Täter einfach freigesprochen, weil es nicht möglich sei, die Tat einwandfrei nachzuweisen. Pfeiffer rief deshalb zu Zivilcourage auf: Frauen könnten auch geschützt werden, wenn im Falle einer beobachteten Belästigung eingegriffen werde.

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