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Marion Maréchal-Le Pen macht den rechten Flügel stark

Front National: Ein politisches Signal

Freitag, 19 Dezember 2014 20:32 geschrieben von  Johann W. Petersen
Marion Marechal-Le Pen Marion Marechal-Le Pen Quelle: marionlepen.fr

Magdeburg - Auf dem letzten Parteitag des Front National in Lyon wurde nicht nur die Vorsitzende Marine Le Pen in ihrem Amt bestätigt, mit der bildhübschen Marion Maréchal-Le Pen, Nichte Marine Le Pens und Enkelin von Gründer Jean Marie Le Pen, hat es nun auch die „dritte Generation“ der Familie in das Führungsgremium der Partei, das aus 100 Mitgliedern bestehende Zentralkomitee, geschafft.

Die mit 24 Jahren jüngste Abgeordnete zur französischen Nationalversammlung erreichte bei der Vorstandswahl mit 80 Prozent der Stimmen das beste aller Ergebnisse und ließ damit sogar den Vize-Chef des Front National, Florian Philippot, weit hinter sich. Der 33-jährige Ena-Absolvent Philippot, der als rechte Hand von Parteichefin Marine Le Pen gilt und der eigentliche Kopf hinter der aktuellen Parteistrategie des Front National mit seiner links von den Sozialisten angesiedelten Wirtschafts- und Sozialprogrammatik ist, wurde mit 69 Prozent in das Zentralkomitee gewählt. Innerparteilich sah sich Philippot zuletzt Kritik ausgesetzt, weil er öffentlich bekundet hatte, dass er unter Jean Marie Le Pen nie in den Front National eingetreten wäre. In den französischen Medien wurde er als Gegenspieler Maréchal-Le Pens dargestellt, weshalb man dem „Duell“ zwischen den beiden auch besondere Aufmerksamkeit zukommen ließ.

Tatsächlich ist das starke Ergebnis von Marion Maréchal-Le Pen als Machtsignal des katholisch-traditionalistischen (und eher wirtschaftsliberalen) Flügels, als deren wichtigste Exponentin die junge Jura-Studentin momentan gilt, zu werten. Anders als ihre Tante bekennt sie sich mit Nachdruck zu jenem Milieu, das ihr Großvater einst hinter sich sammelte, von Marine Le Pen aber in letzter Zeit kaum noch bedient wurde. Zwischen Parteigründer Jean Marie Le Pen und seiner Tochter soll es in den letzten Monaten immer wieder zu Konflikten um die Ausrichtung der Partei gekommen sein. Beobachter sprechen sogar davon, dass das Tischtuch zwischen Vater und Tochter mittlerweile zerschnitten sei. Marion Maréchal-Le Pen gilt hingegen als „Liebling“ ihres Großvaters.

Auch zwischen der 46-jährigen Vorsitzenden des Front National und ihrer nun in das höchste Gremium der Partei gewählten Nichte wollten Kommentatoren ein Konkurrenzverhältnis entdeckt haben. Beide Frauen wiesen dies jedoch zurück. Marine Le Pen nannte Marion Maréchal-Le Pen eine mutige „Hochbegabte der Politik“, die zudem „dem Vorzug“ habe, dass sie Le Pen heiße. Tatsächlich ist dies von Vorteil in der Partei, wie Marine Le Pen selbst schon feststellen durfte, als sie sich 2011 gegen Bruno Gollnisch in der Vorsitzendenwahl durchsetzen konnte.

Die „Augsburger Allgemeine“ schrieb zu Tante und Nichte: „Programmatisch ergänzen sich die beiden Frauen: Die Parteichefin hat ihre politische Basis im wirtschaftlich schwachen Nordosten, der an der Deindustrialisierung und hoher Arbeitslosigkeit leidet. Sie sieht sich als Vorkämpferin für die ‚kleinen Leute‘ und kämpft für einen starken Staat. Maréchal-Le Pen steht als Ikone für den rechten Flügel der Partei mit nationalistischen Tönen und einer lauten Kritik an der Immigration und dem Islam. Im Gegensatz zu ihrer Tante marschierte sie bei den Protesten gegen die – inzwischen beschlossene – Homo-Ehe in der ersten Reihe mit. Sie vertritt die Wählerschaft im konservativen Südosten, wo sie 2012 als jüngste Abgeordnete mit 22 Jahren und eine von zwei Vertretern des Front National in die französische Nationalversammlung gewählt wurde.“

Der von Erfolg zu Erfolg eilende Front National ist mit seinem Personaltableau nach der Wahl von Marion Maréchal-Le Pen in das Zentralkomitee sehr breit aufgestellt und hat sich tatsächlich zu einer echten Volkspartei entwickelt. Beste Voraussetzungen für eine Fortschreibung der Erfolgsgeschichte, deren Höhepunkt schon in wenigen Jahren die Wahl von Marine Le Pen ins Präsidentenamt darstellen könnte.

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