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CSU-Rebellin muss zur Stichwahl

Gabriele Pauli kandidiert für Sylter Bürgermeisterposten

Montag, 15 Dezember 2014 20:44 geschrieben von  Susanne Hagel
Sylt Sylt Quelle: pixabay.com

Sylt - Die ehemalige CSU-Politikerin Gabriele Pauli, die als unabhängige Bewerberin für die Stelle des Sylter Bürgermeisterposten antrat, konnte mit 30,6 Prozent der Stimmen das höchste Wahlergebnis erzielen. Nun muss sie sich am 11. Januar in einer Stichwahl dem Zweitplatzierten stellen.

Die frühere Fürther Landrätin tritt dann gegen den Kandidaten der Sylter Wählergemeinschaft, Nikolas Häckel an. Dieser landete mit 27 Prozent knapp hinter der ehemaligen CSU-Politikerin. Der CDU-Kandidat Bernd Reinartz errang 17,9 Prozent. der Aachener Robert Wagner 17,4 Prozent, Markus Ballentin aus Köln erzielte 1,7 Prozent und der Sylter Lars Schmidt erhielt 5,5 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 53,5 Prozent. Da keiner der Bewerber die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen konnte, wird es am 11. Januar kommenden Jahres eine Stichwahl geben, in der die rund 13.000 wahlberechtigten Sylter ihren Bürgermeister wählen werden.

"Ich bedanke mich bei den Wählern für das tolle Ergebnis", erklärte Pauli nach der Veröffentlichung der Zahlen. "Dass ich vorne liege, hat mich sehr gefreut." Sie sei zuversichtlich, nun auch die Stichwahl für sich entscheiden zu können. Häckel erklärte, er wolle weiterhin die Bürger davon überzeugen, dass er "der Richtige" für das Amt ist.

Durch Paulis Bewerbung hatte der Wahlkampf bundesweit Beachtung gefunden. Pauli hatte nach der Landtagswahl 2013 ihr Mandat verloren und will nun ihre politische Karriere auf der Insel fortsetzen. Von 1990 bis 2008 war PAuli Landrätin in Fürth. 2006 erlangte sie bundesweit Bekanntheit, weil sie sich als schärfste Kritikerin von Edmund Stoiber etablierte. Man verpasste ihr schnell den Namen "CSU-Rebellin". Nach Stoibers Sturz hoffte Pauli bereits auf einen hohen Posten innerhalb der CSU, der ihr von der neuen Parteiführung jedoch verwehrt wurde. Pauli reagierte mit provokanten Auftritten, Fotos und Forderungen. Neben der Kandidatur um den CSU-Vorsitz 2007, liess sie sich ausgerechnet im prüden Bayern gewagt und mit Latexhandschuhen bekleidet ablichten, forderte außerdem, die Ehe grundsätzlich auf sieben Jahre zu begrenzen und brachte damit nicht nur ihre Parteikollegen zum Staunen. So erklärte Günther Beckstein (CSU) damals, man müsse Pauli jede Ernsthaftigkeit absprechen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand in der CSU diese wirren Thesen unterstützt." Beckstein erklärte damals, die Reaktionen innerhalb der Partei auf Paulis Vorstoß in Richtung Parteivorsitz und ihr sich durch "entsetzliche Oberflächlichkeit, auch in religiösen Fragen" auszeichneendes Programm reichten von "Comedy" bis hin zur Meinung, Pauli sei ein Fall für den Psychiater. Nachdem sie Ende September 2007 dann auch klar gegen Erwin Huber und dessen zweitplatzierten Horst Seehofer verlor, wechselte sie zu den Freien Wählern und konnte mit einem guten Ergebnis in den Landtag einziehen. Aufgrund eines Streits zog Pauli sich jedoch auch bei den Freien Wählern zurück und arbeitete den Großteil ihrer Abgeordnetenzeit fraktionslos.

Gewinnt Pauli im Januar die Stichwahl, wäre dies bereits die zweite Fränkin, die in Sylt den Bürgermeister stellt. Ihre Vorgänger, die Rechtsanwältin Petra Reiber, tritt nach 24 Jahren Amtszeit nicht mehr an. Wie Pauli kommt Reiber gebürtig aus Franken, genauer aus Goldbach bei Aschaffenburg. Auch sie hatte vor ihrer Wahl mit der Insel so gut wie nichts zu tun. Die "heimliche Königin von Sylt" wird im Mai 2015 in den Ruhestand verabschiedet. "Vom Obdachlosen bis zur Kronprinzessin von Thailand, die mich auch mal vor vielen Jahren besucht hat: Man muss in der Lage sein, mit verschiedenen Arten von Menschen umzugehen", erklärt Reiber. Pauli machte vor allem mit der Forderung nach einem Begrüßungsgeld in Höhe von 5.000 Euro für jedes Neugeborene auf Sylt von sich hören. Außerdem forderte sie eine bessere Verwaltung. Sylt leidet vor allem unter den ungeheuer teuren Mieten und der daraus resultierenden Abwanderungen.

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