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Israel und Palästina

Gaza-Krise - Das Gefährlichste ist Einseitigkeit!

Mittwoch, 09 Juli 2014 13:06 geschrieben von  Gerhard Keil
Gaza-Streifen Gaza-Streifen Quelle: Google Maps

Tel Aviv - Die Welt ist beunruhigt über die Gewaltausbrüche im Gaza-Streifen, wenngleich diese nie eingestellt waren, sondern seit jeher nur unterschiedliche Intensität annehmen. Die weit zurückliegenden historischen Ursachen dieses Krisenherdes dürfen für eine bewertende Einschätzung der Lage weder ausgeblendet, noch zur Scheuklappe für Augenblicksanalysen werden. Gegenwärtig beobachten wir wieder ein Eskalieren der Gewaltspirale, die Gefährdungspotentiale für eine regelrecht kriegerische Auseinandersetzung in sich bergen. In diesem Zusammenhang sollte man sich genauso wenig dazu hinreißen lassen, die Terroraktionen einer Hamas zu rechtfertigen, wie auch die Aggressivität Israels gutzuheißen.

Der zumindest augenscheinliche Tropfen, der wieder einmal das Faß zum überlaufen brachte, war die Entführung dreier israelischer Jugendlicher, die einen vermutlichen Rachemord an einem Palästinenserjungen nach sich zog. Doch war es Netanjahu, der bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt mit aggressiver Rhetorik einer dementierenden Hamas die Verantwortung zuschob, bar jeglichen konkreten Beweises. Und nicht nur dies: es wurde offensiv gegen Hamas vorgegangen, inklusive der Festnahme von hunderten Mitgliedern, worunter sich auch Männer befinden, die Israel im Rahmen eines Gefangenenaustausches freigelassen hatte. Auf die Forderung deren Wiederfreilassung als Gegenleistung für eine Einstellung der Raketenangriffe wurde in keiner Weise reagiert. Auch wurde die Forderung nach Aufhebung der Blockade des Küstenstreifens gefließentlich überhört. Und währenddessen Palästinenserpräsident Abbas ankündigt, daß die Autonomiebehörde international um Schutz ersuchen möchte, beruft Israel 40.000 Reservisten und bereitet eine Bodenoffensive vor.

Zur aktuellen Schadensbilanz ist festzustellen, daß 225 palästinensischen Raketen seit Beginn der israelischen Offensive Militäroperationen auf 435 Ziele gegenüberstehen und entgegen den inzwischen wohl 30 Todesopfern inklusive Kindern auf palästinensischer Seite Israel bislang noch das Glück hat, keine Opfer beklagen zu müssen. Ungeachtet einer vermutlich militärischen Überlegenheit dürfte dies nicht so bleiben, wenn sich der Konflikt zu einem Kriegsszenario ausweiten wird. Netanjahu ist somit schlecht beraten, sich allzu sehr vom koalitionsbrüchig gewordenen Scharfmacher Lieberman treiben zu lassen. Zudem sollte es durchaus zu denken geben, wenn der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, Israel die Hauptverantwortung für das Scheitern der Friedensverhandlungen zuschreibt. In dieser schwierigen Situation wäre das, was man zu Bismarcks Zeit einen „ehrlichen Makler“ nannte dringend von Nöten, da die größte Gefahr unter Umständen aus einer Einseitigkeit auf dem internationalen Parkett erwachsen könnte. Doch handelt es sich bei diesem Nahostkonflikt um ein auch politisch in mehrfacher Hinsicht vermintes Gebiet, auf das sich nur Wenige unvoreingenommen heranwagen. Bleibt die Frage, ob es international ebenfalls so etwas wie ein Unterlassungsdelikt gibt.

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