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Angst vor der eigenen Courage

Grünen-Politiker Uwe Kekeritz rudert nach Israel-Kritik zurück

Sonntag, 30 August 2015 21:37 geschrieben von  Torsten Müller
Uwe Kekeritz Uwe Kekeritz Quelle: gruene-bundestag.de

Berlin - Da hatte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz wohl Angst vor der eigenen Courage. Nachdem er im Juni auf einer Podiumsveranstaltung auf dem evangelischen Kirchentag in Stuttgart deutliche Kritik an der Politik Israels gegen die Palästinenser geäußert hatte, ist er nun in Windeseile zurückgerudert, als Kritik aufkam.

Kekeritz hatte unter anderem kritisiert, dass Kritik an Israel in Deutschland tabuisiert werde. Mit Blick auf die Politik des israelischen Staates sagte er: „Aber es muss den Israelis doch mal klar werden, dass sie nicht ganz konsequenzlos ihre Politik betreiben können, wie sie zur Zeit eben betrieben wird.“ Auch seine eigene Partei habe Angst, sich des Themas anzunehmen. Kekeritz weiter: „Ich bin Entwicklungspolitiker und beschäftige mich nicht hauptsächlich mit Palästina und Israel. Ich bin im November vorigen Jahres von 'Misereor' und 'Brot für die Welt' eingeladen worden, eine Reise mit ihnen nach Jerusalem zu machen. Wir waren in Israel, aber auch in den palästinensischen Gebieten und ich bin schockiert gewesen über das, was ich mir hier ansehen musste: Dass Mauern gebaut werden, das habe ich ja gelesen, das habe ich auch gesehen im Fernsehen. Aber ich sag ihnen schon, es ist beeindruckend, wenn sie neben so einer Mauer stehen. Da wird ihnen klar, dass die Berliner Mauer nur ein Spielzeug dagegen war.“

Da nun sowohl die „Bild“-Zeitung als auch andere Medien den Grünen-Politiker scharf kritisierten, rudert Kekeritz nun zurück: „Ich bedauere die unbedachte Formulierung zur baulichen Dimension, sie lädt zu Missverständnissen ein. Keinesfalls wollte ich die Brutalität an der Berliner Mauer in Abrede stellen oder das Leid der Maueropfer und die Unterdrückung der Bürgerinnen und Bürger in der DDR relativieren. Ein Vergleich des demokratischen Rechtsstaates Israel mit der Diktatur DDR war nie meine Absicht.“

Natürlich ist es ein Fehler, die Mauer, die Berlin über Jahrzehnte hinweg teilte, als „Spielzeug“ zu bezeichnen. Aber es ist kaum vorstellbar, dass der mediale Sturm der Entrüstung vor allem der Springer-Presse auch so groß gewesen wäre, wenn Kekeritz die Berliner Mauer mit der Innenpolitik eines anderen Staates verglichen hätte.

Damit wären wir wieder bei These von Kekeritz, dass die Kritik an der Politik Israels hierzulande ein Tabu-Thema ist.

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