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Ethikunterricht an "risikoreichen Schulen"

Hamburger CDU fordert präventiven Unterricht gegen radikalen Islamismus

Dienstag, 09 Dezember 2014 05:41 geschrieben von  Susanne Hagel
Hamburger CDU fordert präventiven Unterricht gegen radikalen Islamismus Quelle: cduhamburg.de

Hamburg - In Hamburg fordert die CDU für "besonders risikobelastete Schulen" die Einführung eines speziellen Ethikunterrichts um die Jugendlichen vor einem radikalislamischen Weg zu bewahren.

"Wir brauchen an allen Schulen eine gezielte Extremismusprävention, die nicht nur reagiert, wenn einzelne Jugendliche bereits abgeworben und radikalisiert in den Tod geschickt worden sind", erklärte die CDU-Schulpolitikerin Karin Prien. Nach dem Vorbild eines Projektes des Bundesfamilienministeriums, welches bis letztes Jahr entsprechende Schulveranstaltungen mit islamischen Lehrern, die selbst einen Migrationshintergrund haben, finanzierte, solle ab dem Schuljahr 2015/16 an insgesamt 120 Schulen ein entsprechender Unterricht beginnen. Alle Schulen gelten laut einem Arbeitspapier als "besonders risikobelastet" und weisen einen hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund auf. Die Höhe der Förderung soll rund 50.000 Euro betragen. Weiterhin sollen die Lehrer dieser Schulen zukünftig besser geschult werden, um frühzeitig drohende Radikalisierungstendenzen zu erkennen.

Bereits im Februar erklärte der Bildungssenator Ties Rabe (SPD), Hamburgs Religionskonflikte in den Schulen stellen "erhebliche Herausforderungen für die Lehrkräfte" dar. Die Lehrer seien "überfordert angesichts endloser und provozierender Diskussionen mit Schülern". Die bestehenden Regeln reichten nicht mehr aus, er forderte mehr Einbindung des Verfassungsschutzes und der Polizei. Allein in sieben bis zehn Schulen liefen im vergangenen Jahr Ermittlungen wegen mutmaßlicher Unterwanderung durch Salafisten. "Die Anwerber zu finden ist nicht einfach: Wer Salafist ist und wer nicht, lässt sich auf den ersten Blick nicht erkennen. Ich warne davor, anhand von Kleidung vorschnelle Schlüsse zu ziehen", erklärt der Islamwissenschaftler und Verfassungsschutzmitarbeiter Hazim Fouad. Viele junge Salafisten verzichten auf traditionelle Kleidung und gehen auch beim Anwerben subtil vor. "Es gibt kaum klassische Rekrutierung", erklärt Religionspädagoge André Taubert vom bundesweiten Beratungsnetzwerk Kitab, welches Eltern hilft, deren Kinder sich radikalisieren. Vor allem unterschwellig durch Gespräche mit Freunden oder Mitschülern erfolge eine Rekrutierung, erklärt er. "Die betroffenen Jugendlichen kommen aus allen Gesellschafts- und Bildungsschichten", sagt Taubert.

Das salafistische Netzwerk war in Hamburg zuletzt stark angewachsen. Laut Schätzungen des Verfassungsschutzes leben derzeit über dreihundert radikale Moslems in der Stadt. Diese seien eng mit Organisationen in Syrien und dem Irak vernetzt. Bereits vierzig Männer seien von der Hansestadt aus in den Krieg gezogen, fünf davon wurden bei Kampfhandlungen getötet. Seit Monaten kommt es immer wieder zu Forderungen seitens einzelner Politiker, Lösungen vor allem präventiver Natur für Schulen zu finden.

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