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Ex-Schlapphüte der US-Geheimdienste gehen auf Distanz zu Obama

Hochrangige Ex-Geheimdienstler kritisieren US-Geheimdienste

Montag, 11 August 2014 14:00 geschrieben von  Jens Hastreiter
US-President Barack Obama US-President Barack Obama Bild: (cc-by-sa) Intel Photos / Fotopedia

Washington - Hochrangige amerikanische Ex-Geheimdienstler haben in einem offenen Brief an US-Präsident Obama die vorgelegten „Beweise” der US-Geheimdienste im Zusammenhang mit der am 17. Juli über der Ostukraine abgestürzten malaysischen Boeing 777 kritisiert. „Wir empfehlen Ihnen, die Propaganda einzustellen”, schreiben die Ex-Agenten. In dem Brief geht es um die fortlaufenden Schuldzuweisungen der US-Administration gegen Russland.

Der Brief, über den in bundesdeutschen Medien bislang vor allem die Tageszeitung Link „Junge Welt“ und die linke Wochenzeitung Link "Freitag" berichteten, lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Er ist eine Reaktion auf die durch nichts belegten wochenlangen Anschuldigungen der US-Regierung nach dem tragischen Ende des Malaysia-Airlines-Flug 17 und der sich zuspitzenden Konfrontation der USA mit Russland. Die Verfasser des Briefes üben scharfe Kritik an der Art der „Beweisführung“ der US-Geheimdienste, die jeden Beleg schuldig bleibe.

„Ihre Regierung“, schreiben die Ex-Schlapphüte an den Präsidenten, „hat keine Satellitenbilder vorgelegt, die zeigen, dass die Separatisten über solche Waffen verfügen, und es gibt einige ´andere Hunde, die nicht gebellt haben´ [womit die Machthaber in Kiew gemeint sind; JH]. Washingtons Glaubwürdigkeit und Ihre eigene werden weiter erodieren, falls Sie nicht bereit sind – oder es nicht können – , mit konkreten Beweisen die Behauptungen Ihrer Regierung zu belegen.”

Die besondere Kritik der Briefschreiber entzündet sich unter anderem an der Tatsache, dass Link „US-Außenminister John Kerry besonders unmissverständlich erklärt hat, dass Russland direkt oder indirekt schuldig ist. Die Beweislage aber sieht anders aus. Kerrys Aussagen sind verfrüht und zielen darauf ab, bei der Öffentlichkeit eine Vorverurteilung Russlands zu erreichen.”

Angesichts der mehr als dürftigen Beweislage – und einer fundierten Aufklärungs-Offensive des russischen Generalstabs, der in einer Pressekonferenz am 21. Juli eine Reihe präziser Fragen an die Kiewer und die amerikanische Regierung richtete – ruderten amerikanische Behörden und Medien wieder zurück. Bereits wenige Tage später hieß es in Washington überraschend, dass es keine „direkte Verbindung“ der russischen Regierung zum Abschuss von MH17 gebe. Auch die CIA will inzwischen nicht mehr ausschließen, dass es sich womöglich um ukrainische Schützen handelte.

Unter den Unterzeichnern des Briefes an den Präsidenten befinden sich ehemals hochrangige US-Geheimdienstler und Militärs. Unter anderem unterzeichneten William Binney, früherer Technischer Direktor der NSA, zuständig in der Abteilung „World Geopolitical and Military Analysis“, im Ruhestand (i.R.), der lange vor Edward Snowden zum „Wistleblower“ wurde und jüngst vor dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags in Berlin aussagte; außerdem Larry Johnson, CIA und US-Außenministerium, i.R.; Edward Loomis, NSA, Verschlüsselungsexperte, i.R.; David MacMichael, National Intelligence Council (ein Gremium der United States Intelligence Comunity, des Zusammenschlusses der 17 Nachrichtendienste der USA), i.R. und Ray McGovern, früherer US-Armee- bzw. Geheimdienstoffizier und CIA-Analyst, i.R.

Die meisten der Genannten haben bereits in der Vergangenheit Kritik am Konfrontationskurs der US-Regierung geübt und sind in der US-Organisation „Ehemalige Geheimdienstler für Vernunft“ Link (Veteran Intelligence Professionals for Sanity, VIPS) zusammengeschlossen.

Letzte Änderung am Montag, 11 August 2014 14:26
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