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Ein Sommer in Allenstein

Im südlichen Ostpreußen macht die deutsche Minderheit von sich reden

Dienstag, 08 Juli 2014 11:46 geschrieben von  Jens Hastreiter
Logo der AGMO Logo der AGMO Quelle: www.agmo.de

Berlin - Nicht nur in Oberschlesien leben heute noch zahlreiche Deutsche, sondern auch in anderen Teilen der heutigen Republik Polen – so zum Beispiel auch im Norden, im Gebiet um Allenstein.

Die umtriebige AGMO e.V. (Gesellschaft zur Unterstützung der Deutschen in Schlesien, Ostbrandenburg, Pommern, Ost- und Westpreußen) leistet in dieser Region eine außerordentlich lobenswerte projektbezogene Zusammenarbeit mit der „Allensteiner Gesellschaft der deutschen Minderheit“ (AGDM). Sie wurde erst im zurückliegenden Jahr wieder aufgenommen und erzielte im Rahmen von zwei Projekten beachtliche Ergebnisse. Der „Tag der Minderheiten“ und der „Poetische Herbst“ waren von Erfolg gekrönt. Die AGDM bedankte sich ausdrücklich für die Unterstützung durch die AGMO. Die Kooperation soll nun fortgesetzt werden.

Seit immerhin 21 Jahren findet der „Tag der Minderheiten“ nun bereits in Allenstein statt. Gastgeber ist die deutsche Volksgruppe in der Bezirkshauptstadt von Ermland und Masuren. Die traditionsreiche Veranstaltung wird zweisprachig in Deutsch und in Polnisch durchgeführt. Die deutsche Volksgruppe wird durch Kinderchöre und Volkstanzgruppen von deutschen Jugendlichen vertreten. Gedicht- und Liedvorträge in deutscher Sprache umrahmen dabei traditionell die Veranstaltung. Aus der Erfahrung der letzten Jahre ist mit gut 300 Gästen aus der näheren und weiteren Umgebung zu rechnen.

Die Veranstaltung bietet eine gute Gelegenheit für die Deutschen im südlichen Ostpreußen, kulturelle Präsenz zu zeigen, Vorurteile abzubauen und die teils noch immer unzureichende Akzeptanz durch die polnische Mehrheitsgesellschaft zu vertiefen.

Besondere Bedeutung kommt dabei den „Sommerspielen mit deutscher Sprache“ zu – im Rahmen dieses Projekts will die AGDM auch gezielt die eigenen inneren Strukturen stärken. Es geht darum, dass über eine verstärkte Sprachbindung zugleich die Identität des Nachwuchses, der Kinder der deutschen Volksgruppe, gefestigt wird. In der Projektbeschreibung heißt es dazu: „Die größte Sorge der deutschen Volksgruppe in der Republik Polen ist der Nachwuchs, die leider bisher zu geringe Zahl an Kindern, die zuhause Deutsch sprechen, weil ihre Eltern die Sprache selber nur unzureichend beherrschen.“

Da in der Sommerpause zahlreiche andere Sprachförderungsmaßnahmen wie etwa Samstagskurse pausieren, sollen die „Sommerspiele“ diese Zeit wenigstens teilweise überbrücken helfen. Zwei Deutschlehrerinnen unterrichten die Kinder fachgerecht und leiten sie bei Übungen und Hausaufgaben an.

Noch ein Projekt im Raum Allenstein ist bemerkens- und unterstützenswert: Die „Allensteiner Nachrichten“ sind das monatlich erscheinende Informations- und Mitteilungsblatt der Deutschen in Allenstein. Die inzwischen seit über zehn Jahren, seit 2003 erscheinende Zeitung umfasst acht Seiten. Berichtet wird über den eigenen Verband, aber auch über Neuigkeiten aus Stadt und Landkreis Allenstein.

Positiv ist dabei, dass die Zeitung ausschließlich in deutscher Sprache herausgegeben wird und damit ebenfalls ein wichtiges Instrument zur Identitätsstiftung der Deutschen im südlichen Ostpreußen darstellt. Bisher wurde sie aus Mitteln des bundesdeutschen Generalkonsulats in Danzig unterstützt. 2014 jedoch werden die Fördermittel frühestens im Juli 2014 ausgezahlt, wobei die Höhe der Förderung immer noch nicht feststeht. Deshalb ist eine zusätzliche Unterstützung durch Drittmittel unbedingt notwendig.

Auch hier gilt: Zur Versöhnung gehört das unbedingte Eingeständnis der Wahrheit. Weder in der Bundesrepublik Deutschland noch in der (Volks-)Republik Polen wurde über die schwere Misshandlung Deutscher – zumeist Frauen – bei der Austreibung nach Kriegsende gesprochen, so die „Allensteiner Gesellschaft der deutschen Minderheit“ in ihrem Projektantrag. Zu mehr Kenntnis der Vergangenheit soll hier das Buch „Agathes Schuhe“ beitragen. In deutscher und polnischer Sprache werden in dem Band erschütternde Erlebnisberichte wiedergegeben, denn auch die polnische Bevölkerung soll dadurch über das Schicksal der Deutschen aufgeklärt werden. Die erste Auflage von 2008 ist bereits vergriffen. Die AGDM benötigt finanzielle Unterstützung für eine Neuauflage.

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