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Keine Diskriminierung beim Straßenüberqueren!

In Berlin-Mitte sollen jetzt die DDR-Ampelmännchen „gegendert“ werden

Mittwoch, 21 Mai 2014 15:16 geschrieben von  Jens Hastreiter

Berlin - Jeder kennt es, und das seit Jahrzehnten: das kultive „Ost-Ampelmännchen“, das in den neuen Bundesländern auch die Wiedervereinigung problemlos überlebt hat.

Seit 2005 regelt das pummelige Leuchtzeichen auch im Berliner Westen den Fußgängerverkehr. Doch was Wiedervereinigung und DDR-Untergang nicht schafften, strebt jetzt die SPD-Fraktion in Berlin-Mitte an: das Ampelmännchen Ost soll „gegendert“ werden. Will sagen: künftig soll es, strikt nach political correctness, neben den Ampel-Männchen auch Ampel-Weibchen, pardon: -frauen geben.

Die SPD wittert nämlich eine Diskriminierung: die Ampelmännchen sind bislang alle männlich. Daher werde das Bezirksamt ersucht, heißt es in einem diesbezüglichen Antrag der Genossen, „sich bei der Verkehrslenkung Berlin dafür einzusetzen, dass neben den bisherigen Ampelmännchen unter dem Gesichtspunkt der Gleichstellung von Menschen u.a. auch moderne selbstbewußte Ampelfrauen zur Regelung des Fußgänger- und Straßenverkehrs als Ampelzeichen dienen.“

Martina Martischok-Yesilcimen, Chefin der SPD-Fraktion im Rathaus von Berlin-Mitte, hätte gerne „moderne“ Ampelfrauen auf den Lichtsignalanlagen: „Wir wollen aber keine Frau mit Zöpfen und Walla-Walla- Rock, sondern eine moderne, selbstbewußte Frau“, so Martischok-Yesilcimen gegenüber dem Berliner „Tagesspiegel“. Sie denke an eine Ampelfrau in Hose und Absatzschuhen. In der Begründung wird dann freilich – zuviel „Sexismus“ darf schließlich auch nicht sein - eingeschränkt, dass Frauen nicht überwiegend im Minirock und auf Highheels unterwegs seien. „Zwischen beiden Extremen gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, einem zeitgemäßen Frauenbild gerecht zu werden“, heißt es in dem Fraktionsantrag zur Bezirksverordnetenversammlung.

Von Jörg Steinert, dem Geschäftsführer vom Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg, wurde der Vorstoß der Genossen schon einmal positiv aufgefasst. Er frage sich jedoch, wie man Vielfalt wirklich adäquat darstellen könne. Die Gleichstellungsbeauftragte des Bezirks Mitte, Kerstin Drobick, sprach sich dafür aus, abwechselnd Ampelmänner und -frauen zu verwenden, um Diskriminierung auch wirklich auszuschließen. Auch über Unisex-Ampelzeichen werde nachgedacht. An touristischen Orten solle das typische Berliner Ampelmännchen aber als Wahrzeichen erhalten bleiben, gesteht auch Frau Martischok-Yesilcimen zu.

In Zwickau und Dresden wurden bereits vor einigen Jahren an zentralen Lichtsignalanlagen Ampelmädchen installiert. Helma Orosz (CDU), inzwischen Dresdner Oberbürgermeisterin, lobte seinerzeit den Umbau der Ampel: „An diesem Beispiel zeigt sich deutlich, dass auch Frauen sehr wohl in der Lage sind, Führungspositionen auszuüben.“ Warum das ausgerechnet auf Ampeln demonstriert werden muss, bleibt allerdings bis heute Frau Orosz´ Geheimnis.

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