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Desillusionierung und Fluchtgefahr

IS richtet zunehmend eigene Leute hin

Montag, 22 Dezember 2014 06:17 geschrieben von  Torsten Müller
Screenshot vom 22.12.2014 Screenshot vom 22.12.2014 Quelle: youtube | http://youtu.be/CGPFWu5y-UA

Magdeburg - Tausende, vor allem junge in Europa lebende Islamisten sind in den letzten Monaten nach Syrien und in den Irak ausgereist, um dort an Kampfhandlungen teilzunehmen. Immer mehr scheinen dies jedoch mittlerweile zu bereuen. Sie haben sich den Alltag unter fanatisierten Gesinnungsgenossen offenbar anders vorgestellt.

Nun machen Berichte die Runde, dass der „Islamische Staat“ (IS) etwa hundert seiner Anhänger hingerichtet haben soll, weil sie sich aus dem Kampfgebiet wieder zurückziehen wollten. Bei den Getöteten soll es sich um IS-Kämpfer handeln, die den Versuch unternommen haben, das IS-Hauptquartier im syrischen Rakka zu verlassen.

Auch soll der IS eine eigene Militärpolizei aufgebaut haben, die gegen ausländische Mitglieder vorgehen soll, die desertieren wollen. Zahlreiche Häuser wurden bereits durchsucht, viele Kämpfer festgenommen.

Viele Kämpfer seien zunehmend desillusioniert, weil es nicht mehr so vorangehe wie geplant, weil die US-Luftschläge mehr und mehr ihre Wirkung erzielen und weil ihre Kommandeure sie zwingen, aus ihrer Sicht sinnlose Ritualhandlungen durchzuführen. Auch beklagen immer mehr Kämpfer, dass sie mehr gegen andere Rebellen eingesetzt werden als gegen die syrische Regierung.

Angaben des Internationalen Zentrums für Radikalisierungsstudien am Londoner King`s College zufolge wollen etwa 50 Kämpfer aus Großbritannien zurück, fürchten dort aber eine Gefängnisstrafe. Ein syrischer Oppositioneller sagte dazu: „Die Moral sinkt nicht, sie ist am Boden. Die Kämpfer sind frustriert, sie haben das Gefühl, dass sie die Hauptlast tragen, und dass sie es sind, die sterben müssen.“ Ausländische Kämpfer, die Abenteuer suchten, seien nun enttäuscht.

In der Theorie und der virtuellen Welt scheint sich der Dschihad nachahmenswerter für viele Ausgereiste angehört zu haben, als er offenbar ist. Auf die angeworbenen Kämpfer wartet kein Kalifat, in dem alle Muslime gleich sind, sondern eine knallharte und terroristische Diktatur einiger Weniger, die sich aus welchen Gründen auch immer berufen fühlen, in Syrien und im Irak ein Kalifat zu errichten.

Die eigens eingerichtete Militärpolizei hat viele ausländische Kämpfer unter strenge Beobachtung gestellt, regelmäßig wird ihre Gesinnung überprüft. Etwa 400 Kämpfer wurden bisher festgenommen.

Auch wenn es hart klingt, darf für diese Kämpfer auch in Europa kein Platz mehr sein, weil sie eine Gefahr für die innere Sicherheit hierzulande darstellen würden.

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