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Bayrisches Innenministerium

Islamisten werben verstärkt übers Internet

Dienstag, 04 August 2015 19:21 geschrieben von 
Joachim Herrmann, MdL Joachim Herrmann, MdL © Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr

München - Radikale Islamisten setzen offenbar immer stärker auf Internetpropaganda bei der Werbung um vor allem jungen Nachwuchs. Das berichtete der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Offenbar nutzen die Extremisten gezielt Symbole aus der Alltagswelt Minderjähriger, um auf sich aufmerksam zu machen.

„Sie nutzen alle Möglichkeiten des Internets für Propaganda und Missionierungen, insbesondere gehen sie massiv in die sozialen Netzwerke“, so Herrmann. Längst seien auch islamistische Gruppen in den sozialen Netzwerken präsent und bieten Hilfe bei der Organisation der Ausreise gen Syrien oder Irak an. Herrmann erklärte, vor allem Mitglieder des Islamischen Staates (IS) nutzten das komplette Spektrum moderner Informations- und Kommunikationstechnologie. Dies gehe aus dem bayerischen Verfassungsschutzbericht hervor, dessen Halbjahresbericht der CSU-Politiker vorstellte.

Schätzungen zufolge seien bereits mehr als 720 radikale Islamisten nach Syrien oder in den Irak ausgereist – damit verzehnfachte sich die Zahl der aus Deutschland stammenden selbsternannten Gotteskrieger innerhalb der letzten 48 Monate. Über 65 der Ausgereisten stammten dem Bericht nach aus Bayern. Unter ihnen sei auch eine Minderjährige aus München, die seit Beginn dieses Jahres von Syrien aus weitere junge Frauen anwerben soll. Der Verfassungsschutz verfolge ihre schwärmerischen Beiträge über das Leben innerhalb des IS in den sozialen Netzwerken.

Längst richten sich die Terroristen auch gezielt an Nichtarabischstämmige und verbreiten ihre Videos und Magazine auch in deutschsprachigen Versionen. Deutschsprachige Internetseiten mit IS-Bezug hätten demnach stark zugenommen. Auf ihnen glorifizieren die Extremisten ihre militärischen Erfolge und berichten aus dem alltäglichen Leben aus den vom IS eroberten Gebieten. Zudem gebe es neben den offenen Kommunikationsplattformen unzählige verschlüsselte. Intern kommunizieren die Radikalen wie jeder andere über Instant-Messaging-Gruppen, etwa bei Whatsapp.

Der Verfassungsschutz Bayern habe außerdem Kenntnis darüber, dass sich die radikalen Muslime verstärkt bemühen, auch virtuell kampfkräftig zu sein: Zwar seien sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht in der Lage Industrie- oder Infrastrukturanlagen zu attackieren, arbeiteten aber mit Hochdruck daran. In der Vergangenheit kam es bereits zu Cyberattacken in den USA und Israel. Herrmann rief deshalb deutsche Unternehmen auf, ihre IT-Strukturen zu überprüfen und zu verbessern.

Herrmann wolle nun die Präventionsarbeit voranzutreiben, um verstärkt gegen die Entwicklungen anzugehen. Geplant seien eine neue Beratungsstelle für Angehörige und mehr Ausstiegshilfen für bereits radikalisierte Islamisten.

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