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Rücktritt von LAGESO-Chef

Ist Allert nur das Bauernopfer?

Freitag, 11 Dezember 2015 21:29 geschrieben von  Torsten Müller
Ist Allert nur das Bauernopfer? Quelle: DERFFLINGER

Berlin - Wenn man LAGESO hört oder liest, denkt man sofort an Chaos und Müll. Vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (kurz: LAGESO) bieten sich dem Betrachter seit Monaten chaotische Bilder. Asylbewerber campen direkt auf dem Grundstück bzw. vor der Tür. Unter die Asylbewerber mischen sich gefährliche Salafisten und Kriminelle aller Couleur. Das LAGESO ist die erste Anlaufstelle für nach Berlin kommende Asylbewerber und Flüchtlinge. Es ist zuständig für die Registrierung der Asylbewerber, für ihre medizinische Erstversorgung, das Zuweisen in Notunterkünfte und die Ausgabe von Taschengeld.

Vor einigen Tagen wandten sich zahlreiche Mitarbeiter des LAGESO anonym an die Presse und schilderten im Detail die Zustände vor Ort. Ähnlich wie in vielen anderen Behörden, die sich mit dem Asylchaos beschäftigen müssen, sehen die Mitarbeiter kein Land mehr. Vor allem gegen LAGESO-Chef Franz Allert richtete sich die Kritik. Er lasse sich kaum bei den Mitarbeitern blicken, kenne die wirkliche Lage gar nicht. Anfangs verteidigte sich Allert noch gegen die Kritik, sagte dazu wörtlich: „Es ist noch keine wirklich befriedigende Situation, trotz der erheblichen Veränderungen und Bemühungen, die hier schon seit Monaten laufen.“ Nun zog er die Konsequenzen und trat zurück.

Der ebenso in der Kritik stehende Berliner Sozialsenator Mario Czaja (CDU) sagte dazu: „In Anbetracht der massiven persönlichen Kritik an Franz Allert hat dieser mich gebeten, ihn mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben zu freizustellen. Ich werde dieser Bitte entsprechen und respektiere diesen Schritt.“ Der Regierende Bürgermeister Berlins, Michael Müller (SPD), der schon seit längerem öfter auf Distanz zu Czaja geht, forderte diesen jüngst dazu auf, Allert abzulösen. Müller dazu am Mittwoch wörtlich: „Wir brauchen hier eine neue Spitze im Lageso, die ihre Verantwortung wirklich wahrnimmt. Wir sind jetzt in einer Situation, in der wir nicht mehr länger warten können.“ Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Ramona Popp, hatte Müller erst kürzlich zur Entlassung von Czaja aufgefordert. Popp dazu weiter: „Czaja scheint der Herausforderung nicht gewachsen zu sein. Müller sollte auch ihn entlassen.“

Allert ist zurückgetreten, ihm wird ein weiterer Mensch folgen, der vor Ort die Probleme bewältigen muss, die auf höherer Ebene verursacht wurden. Allert ist letztlich nur das Bauernopfer verantwortungslos handelnder Politiker, die trotz der dramatischen Zustände nicht einsehen wollen, dass das Asylrecht einer Obergrenze bedarf und die Aufnahmekapazitäten erschöpft sind. In der gleichen Lage wie Allert befinden sich unzählige andere Behördenchefs in Deutschland. Will man sie nun alle entlassen?

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