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Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung

Ist das tatsächlich Menschenfeindlichkeit?

Sonntag, 23 November 2014 02:28 geschrieben von  Torsten Müller
Ist das tatsächlich Menschenfeindlichkeit? Quelle: fes.de

Berlin - Vor einigen Jahren wurde das Schlagwort der „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ in die politische Debatte eingeführt. Es lässt sich ebenso wie der „Antisemitismus“, der „Rassismus“ oder die „Ausländerfeindlichkeit“ als Totschlagvokabel verwenden. Wer ist schon gerne Antisemit, Rassist, Ausländerfeind oder eben Menschenfeind?

Diese Begriffe haben eines gemeinsam: sie sind nur schwierig zu konkretisieren. Dies bringt wiederum mit sich, dass es sehr einfach ist, dem Gegenüber derartige Ansichten zu unterstellen. So wird man schnell als „Antisemit“ gebrandmarkt, wenn man die Siedlungspolitik Israels kritisiert. Oder als „Rassist“, wenn man darauf hinweist, dass Angehörige von Roma-Clans überproportional häufig kriminell sind. Oder als „Ausländerfeind“, wenn man sich eine weniger liberale Asylpolitik wünscht.

Auch die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) hat nun wieder einmal eine Studie vorgestellt, in der sie mit diesen und ähnlichen Begriffen hantiert. Im Rahmen der Studie wurden 1.915 Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit telefonisch befragt.

Der Studie zufolge sehen 44 Prozent der Befragten Asylbewerber eher kritisch. 60 Prozent sind nicht der Auffassung, dass der Staat bei der Prüfung der Asylanträge besonders großzügig sein sollte. Über 40 Prozent teilen die Ansicht, dass die meisten Asylbewerber in ihrer Heimat nicht verfolgt werden. Da weit mehr als 90 Prozent der Asylbewerber letztlich nicht als asylberechtigt anerkannt werden, sondern folglich Asylbetrüger sind, kann daraus kaum eine wie auch immer geartete Ausländerfeindlichkeit geschlussfolgert werden.

Die Autoren der FES-Studie merken auch kritisch an, dass 35,9 Prozent der Befragten sich über mehr Nationalgefühl freuen würden.

Dass es in Deutschland einen weit verbreiteten „Antisemitismus“ gibt, folgern die Autoren aus der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Befragten eine klare Israel-Kritik übten. Die Autoren gehen davon aus, dass die Mehrheit der Israel-Kritiker antisemitische Tendenzen aufweise. Dass es in den letzten Monaten seitens Israels erneut massive Menschenrechtsverletzungen gegenüber den Palästinensern gegeben hat und die Kritik an der Politik Israels auch von der UN und zahlreichen Staaten geteilt wird, blendet die FES wohlwissend aus.

Das Gefährliche an solchen Studien ist, dass sie kaum neues Wissen schaffen, aber vorgefertigte Meinungen bestärken. Letzteres ist aber nicht die Aufgabe wissenschaftlicher Betätigung, sondern ihr Gegenstück.

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