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Forsa-Umfrage

Jeder Dritte fürchtet Islamisierung in Deutschland

Sonntag, 04 Januar 2015 18:37 geschrieben von  Susanne Hagel

Magdeburg - Das Forsainstitut befragte am 18. Dezember 2014 1.006 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger zur Gefahr einer "Islamisierung Deutschlands" und nach ihrer Einschätzung der Pegida-Bewegung. Fast ein Drittel der Befragten halten demnach den Einfluss des Islam in Deutschland für zu groß und Proteste gegen die Islamisierung für angebracht.

Laut den Ergebnissen der Umfrage halten 67 Prozent der Befragten, die "Gefahr einer Islamisierung" für übertrieben dargestellt. 29 Prozent der Deutschen jedoch stimmen den Organisatoren der PEGIDA-Demonstrationen zu und fürchten eine zunehmende Islamisierung ihres Landes. Vor allem Anhänger der Alternative für Deutschland (AfD) stechen unter der Gruppe der PEGIDA-Befürworter, laut Angaben des Forsa-Chefs Manfred Güllner, hervor. So gaben 71 Prozent derer, die eine Islamisierung in Deutschland bemerken, an, mit der AfD zu sympathisieren. Güllner sieht sich daher in seiner Ansicht bestätigt, "dass die Anhänger der AfD keinesfalls die Mitte der Gesellschaft repräsentieren, sondern eine Randgruppe mit klarer fremdenfeindlicher Tendenz sind". Wie die Umfrage ergab, zeigten die Anhänger dieser Partei mit 45 Prozent auch die größte Bereitschaft zur Teilnahme an Protestmärschen, wenn diese in ihrer Nähe stattfinden würden. Doch auch 26 Prozent der Linken-Sympathisanten seien zu Protestmärschen bereit. Im Schnitt liege die Bereitschaft zur Teilnahme an Demonstrationen bei 13 Prozent. Den Umfrageergebnissen zufolge sei die Angst vor dem Islam im Osten des Landes größer als im Westen. So gaben rund 15 Prozent der Ostdeutschen an, einer Partei ihre Stimme geben zu wollen, die den Islam in Deutschland bekämpft. In Westdeutschland würden dies nur neun Prozent der Befragten tun.

Zuletzt hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Antiislamisierungsbewegung PEGIDA in ihrer Neujahrsansprache kritisiert. Sie appellierte an die Bundesbürger dieser Bewegung nicht zu folgen. "Heute rufen manche montags wieder 'Wir sind das Volk'. Aber tatsächlich meinen Sie: Ihr gehört nicht dazu – wegen Eurer Hautfarbe oder Eurer Religion", so Merkel. Dabei sei die Zuwanderung von Menschen "ein Gewinn für uns alle". Der AfD-Vorsitzende Bernd Lucke reagierte empört auf Merkels Ansprache zum Neuen Jahr. "Frau Merkel stempelt die Menschen als fremdenfeindlich ab, ohne ihnen Gehör schenken zu wollen. Dabei ist es die Pflicht der Bundeskanzlerin, zuzuhören", so Lucke. Eine Neujahrsansprache sollte versöhnen und nicht spalten. Auch der AfD-Vizechef Alexander Gauland kritisierte Merkels Ansprache scharf. "Sie verurteilt Menschen von oben herab, die sie gar nicht kennt", so Gauland. Durch die Kritik der Kanzlerin werde die Protestbewegung PEGIDA noch mehr Zulauf als bisher erfahren. Ebenso kritisierte Frank Franz, der Vorsitzende der NPD, die Warnung der Bundeskanzlerin: "Die Worte von Kanzlerin Merkel machen deutlich, dass sie nicht verstanden hat, dass sich die Proteste der PEGIDA-Bewegung nicht nur gegen Islamisierung und Asylbetrug wenden, sondern auch gegen die Arroganz der Politiker, die meinen, die Sorgen und Befürchtungen der Bürger nicht ernst nehmen zu müssen."

Lob kam hingegen von den Grünen, deren Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt, erklärte, es sei richtig, dass die Kanzlerin mit deutlichen Worten vor den Demonstrationen gewarnt und zu mehr Menschlichkeit im Umgang mit Flüchtlingen aufgerufen habe. "Frau Merkel sollte nicht nur in ihrer Neujahrsansprache mal klare Kante zeigen, sondern auch im Parlament und in ihrer täglichen Politik", so Göring-Eckardt. Dort sollte die CDU-Chefin vor allem ihre Schwesterpartei CSU im Auge behalten, angesichts der Ankündigung von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der erklärt habe, er wolle dafür sorgen, dass abgelehnte Asylbewerber künftig schneller in ihre Heimatländer zurückkehrten. "Gerade die CSU ist die Partei, die immer wieder Ressentiments gegen Zuwanderung schürt", bekräftigt auch die Grünen-Vorsitzende Simone Peter und attestiert der CSU eine Mitschuld für das Erstarken der islamfeindlichen PEGIDA-Bewegung. "Wer mit Begriffen wie "Sozialschmarotzer" über Minderheiten redet und am Küchentisch die Muttersprache verbieten will, darf sich hinterher nicht darüber wundern, wenn Parteien und Gruppen am rechten Rand Zulauf erhalten", so Peter. "Die CSU hat die AfD stark gemacht und macht nun Pegida stark."

Letzte Änderung am Sonntag, 04 Januar 2015 18:47
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