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Noch ein Rettungkandidat für Brüssel?

Jetzt ist es amtlich: Albanien wird offiziell EU-Beitrittskandidat

Donnerstag, 26 Juni 2014 12:19 geschrieben von  Jens Hastreiter
Flagge Albaniens Flagge Albaniens

Brüssel - Eben erst unterzeichnete die bankrotte Ukraine das Assoziierungsabkommen mit der EU und hofft nun auf finanzielle Unterstützung aus dem Westen, da ist schon der nächste „Rettungs“-Kandidat in Sicht, der sogar noch ärmer dran ist: Albanien. Ab sofort ist das ärmste und korrupteste Land Europas offiziell Beitrittskandidat zur EU.

Zweimal wurde Albanien in der Vergangenheit der Status eines Beitrittskandidaten verweigert. Jetzt wollen die Europaminister der 28 EU-Länder das formell ändern.. Die Bestätigung dieser Entscheidung durch die Staats- und Regierungschefs gilt als sicher.

Die anstehende Zuerkennung des Kandidatenstatus bedeute nicht automatisch den Beginn von Beitrittsverhandlungen, betonte die EU-Kommission. Für den Start der oft jahrelangen Gespräche seien erst weitere Fortschritte des Landes nötig. Die Europaminister formulierten in einer gemeinsamen Erklärung eine Reihe von Forderungen an die Regierung in Tirana. Dazu zählen eine Justizreform, der Schutz von Minderheiten sowie mehr Anstrengungen im Kampf gegen Korruption und das organisierte Verbrechen und die Reduzierung der hohen Zahl unberechtigter Asylbewerber aus Albanien. Allerdings habe das Land auch Fortschritte gemacht, begründet der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD), die Entscheidung der Europaminister. Dies sollte nun belohnt werden, so der SPD-Mann.

Nach Angaben der Organisation Transparency International ist Albanien das korrupteste Land Europas. Und es galt bislang als das Armenhaus Europas. Die voranschreitende Islamisierung Albaniens bleibt weitgehend unbeachtet. Die Einstufung Albaniens durch den Internationale Währungsfond (IWF) fällt mehr als kläglich aus, die Liste der zu bewältigenden Aufgaben ist lang. Albaniens wirtschaftliche Schwäche und das erhöhte makroökonomische Ungleichgewicht schaffe erhebliche Herausforderungen. Die Wirtschaft sei wegen der schwachen Binnennachfrage träge, die Staatsverschuldung habe eine noch nie „gesehene Ebene“ erreicht, die Zahl für das Jahr 2014 liegt laut dem IWF bei 1,7 Prozent.

Neben den ernüchternden wirtschaftlichen Kennzahlen des Landes verzeichnet Albanien eine zunehmende Islamisierung, auch soziale Spannungen nehmen zu. Mit 61,9 Prozent stellt der muslimische Bevölkerungsanteil mit sunnitischer Ausrichtung die Mehrheit, gefolgt von 31,8 Prozent Christen (davon 507.000 Katholiken), 6,3 Prozent sind religionslos.

Laut dem Länderbericht 2010 der Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ gab es in den letzten Jahren in Bezug auf die Religionsfreiheit nichts Neues zu vermelden. Allerdings propagieren zunehmend junge Imame, die in der Türkei und in Saudi-Arabien ausgebildet werden, einen „reinen und strengeren Islam”, ähnlich der salafistischen Ausrichtung. Dies beeinflusst in zunehmendem Maße das Verhalten der muslimischen Gemeinden gegenüber den Christen vor Ort.

Experten registrieren, dass Albanien auf dem besten Wege, für den Islam eine weitere Brücke nach Europa zu werden, resümiert etwa das Internationale katholische Hilfswerk (KIN) „Kirche in Not“. Nicht zu übersehen sei das starke Interesse der Türkei und Saudi-Arabiens an dem Balkanland. Beide Länder förderten unter anderem den Bau von Schulen massiv. Auch gibt es Zusammenschlüsse europäischer Muslime, die die islamische Ausrichtung Albaniens unterstützen und vorantreiben. Albanien, ein muslimisches Land tief im Inneren Europas, wird als große Chance gesehen, um „einen grundlegenden Einfluss auf die Zukunft des Islam in Europa und der ganzen Welt haben”. Auch dieser Entwicklung gegenüber zeigt sich die EU-Kommission blind.

Albanien gilt nun wie bereits Montenegro, Mazedonien und Serbien sowie die Türkei als Beitrittskandidat. Bis zum Beginn tatsächlicher Beitrittsverhandlungen könnte es allerdings noch Jahre dauern. Einige EU-Staaten drängen darauf, in den nächsten Jahren keine weiteren neuen Mitglieder aufzunehmen – ersichtlich vergebens.

Letzte Änderung am Donnerstag, 26 Juni 2014 12:26
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