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Die (scheinbar) Unbezwingbare

Kanzlerin Angela Merkels Ambivalente Ära

Montag, 11 August 2014 16:53 geschrieben von  Torsten Müller
Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt im Bundeskanzleramt an einem google hangout zum Thema Integration teil Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt im Bundeskanzleramt an einem google hangout zum Thema Integration teil Foto: Bundesregierung / Kugler, Steffen

Berlin - Kaum einer hätte geglaubt, dass Angela Merkel Link so lange Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland bleibt. Sie befindet sich bereits in ihrer dritten Amtszeit – viele Beobachter vermuten, dass danach Schluss ist. Doch als gesichert gilt das nicht. Das größte Problem der CDU ist ihr dramatischer Personalmangel. Kaum jemand kennt Kanzlerin Merkels Minister, die mediale Öffentlichkeit und damit auch die Wahrnehmung der meisten Bürger projiziert sich auf die Bundeskanzlerin.

Das ist gut für Kanzlerin Merkel – aber auf Dauer sehr gefährlich für die CDU.

Eigentlich ist es überraschend, dass sich Kanzlerin Merkel so lange an der Spitze der Bundesrepublik und der Partei halten konnte. So kommt sie meist farblos daher, wirkt oft ein wenig naiv, eckt eigentlich nie wirklich an. Schlechte Nachrichten lässt sie stets von anderen verkünden, in polarisierenden Fragen bleibt sie stets vage, sodass sie ihre Meinung korrigieren kann, ohne einen großen Schwenk machen zu müssen.

Aber vielleicht ist genau das das Geheimnis ihres Erfolgs. Hinzu kommt natürlich, dass sie stets darum bemüht war, potentielle männliche Konkurrenten wegzubeißen oder wegzuloben. Kritiker wurden generell nicht geduldet. Sie umgab sich immer gerne mit Parteikolleginnen, die Merkel ihre Karriere verdankten und sich somit in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihr befanden – das Leistungsprinzip wird in der CDU eben nicht ganz so großgeschrieben.

Doch nun hat sich wieder mal einer aus der zweiten Reihe vorgewagt, der es offenbar wissen will. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU im Bundestag, Michael Fuchs Link, kritisierte eben die Eigenschaft von Kanzlerin Merkel, die sie bisher möglicherweise so beliebt gemacht hat: ihre Meinungslosigkeit und Unentschlossenheit. Fuchs forderte Merkel konkret auf, mehr Führungsstärke im Bezug auf umstrittene Themen wie die Einführung der riskanten Fracking-Technologie sowie den Anbau genmanipulierter Pflanzen zu zeigen. Einen weiteren Seitenhieb in Richtung Kanzlerin Merkel konnte er sich nicht verkneifen: „Helmut Kohl Link hat sich 1983 hingestellt und den Nato-Doppelbeschluss durchgesetzt, obwohl das unpopulär war. Diesen Mut vermisse ich heute in der Politik, manches Mal auch bei der Kanzlerin.“

Fuchs ist der Auffassung, dass die CDU einen wirtschaftspolitischen „Neustart“ benötige. Man habe der SPD in den Koalitionsverhandlungen zu viele Zugeständnisse gemacht. Auch kritisiert er, – mit Blick auf das Bundeskabinett – dass es in der Bundesregierung keinen einzigen Minister mit ausgeprägter Wirtschaftserfahrung gebe.

Auch von den Wirtschaftsverbänden sowie den Mittelstandsvereinigungen weht Kanzlerin Merkel derzeit ein eisiger Wind entgegen, weil sie sich in der Frage der Abschaffung der kalten Progression auf die Seite ihres Finanzministers gestellt hatte.

Möglicherweise wird die dritte Amtszeit von Kanzlerin Merkel nicht nur ihre letzte, sondern auch ihre schwerste, weil viele den farblosen Stil der Kanzlerin satt haben und sich selbst für die Zeit nach Merkel in Stellung bringen wollen.

Letzte Änderung am Dienstag, 12 August 2014 14:41
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