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Recep Tayyip Erdogan zeigt sich sehr dünnhäutig

Karikatur in deutschem Schulbuch verärgert Erdogan

Mittwoch, 05 November 2014 00:45 geschrieben von  Susanne Hagel
Recep Tayyip Erdogan Recep Tayyip Erdogan Bild: Prime Minister Office

Magdeburg - Wegen einer Karikatur des heutigen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in einem deutschen Schulbuch ließ das türkische Außenministerium den deutschen Botschafter einbestellen um ihm Ankaras Protest zu übermitteln.

Besagte Karikatur trägt den Titel "Türken in Deutschland – Eine Erfolgsgeschichte". Unter anderem ist darauf auch ein Zähne fletschender Kettenhund zu sehen, auf dessen Hütte "Erdogan" steht. Die Zeichnung der Karikaturisten Greser & Lenz wurde in einem baden-württembergischen Schulbuch für Gymnasien für die Fächer Gemeinschaftskunde und Wirtschaft verwendet. 2011 war das Bild erstmals in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" erschienen. Wie die Deutschlandausgabe der türkischen Zeitung "Hürriyet" berichtete, sei die Zeichnung den Töchtern eines in Friedrichshafen am Bodensee lebenden Türken aufgefallen.

Das türkische Außenministerium zeigte sich empört. Die Abbildung der Karikatur in einem deutschen Schulbuch spiegele den wachsenden Rassismus und die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland wider. Die Karikatur beleidige Erdogan und mit ihm alle in Deutschland lebenden Türken. In einer Demokratie sollte kein Platz für "Versuche, Hass in der Gesellschaft, Ausländerfeindlichkeit und Islamophobie anzuheizen", sein, so das Außenministerium. Dies habe sie dem deutschen Botschafter Eberhard Pohl so übermittelt.

Die deutschen Karikaturisten Achim Greser und Heribert Lenz, aus deren Feder das nun in der Türkei so heiß diskutierte Bild stammt, sehen in der Reaktion des türkischen Außenministeriums "Großmannssucht und Paranoia", von der ein Staatschef geleitet sein müsse, "der sich über den kleinen Nebenschauplatz einer ausländischen Witzzeichnung, die nur einem Minderheitenpublikum zu Gesicht kommt, empört." Leider seien Humor- und Ironiekompetenz im Niedergang begriffen, bedauern die beiden. In Anbetracht der Tatsache, dass der Hund, dessen Hütte den in der Türkei häufigen Namen Erdogan trägt, nur eine Randfigur des Bildes ist, hätten Greser und Lenz "im besten Fall Beschwerden vom Deutschen Alpenverein, von konservativen bayerischen Heimatvereinen oder von türkischen Nahrungsmittelproduzenten erwartet, nicht aber vom türkischen Präsidenten." Die beiden Karikaturisten sehen in der Zeichnung vielmehr "ein Beispiel gelungener Integration". Das Bild stehe gar im "Geiste der Toleranz und der Versöhnung."

Der türkische Staatschef Erdogan ist dafür bekannt, wenig Humor über seine Person zu vertragen. In der Vergangenheit hatte er bereits mehrfach ihm unliebsame Karikaturisten juristisch belangt. Zuletzt traf es Musa Kart, Karikaturist bei der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet". Dieser war Ende Oktober diesen Jahres vom Vorwurf der Beleidigung des jetzigen Staatspräsidenten und früheren Regierungschefs freigesprochen worden. 2005 endete eine Klage Erdogans gegen Kart mit einer Geldstrafe. Damals hatte letzterer Erdogan als Katze gezeichnet. Der Fall Kart führte zum Hashtag #Erdogancaricature auf Twitter, bei dem zahlreiche Karikaturisten, die außerhalb der Türkei leben, erdogankritische Cartoons im Internet veröffentlichten.

Immer wieder wird die Türkei wegen der engen Grenzen der Meinungsfreiheit im Land von der EU kritisiert. Als Bewerberland müsse die Türkei weitere Reformen durchführen, heißt es.

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