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Bayerischer Landtag:

Kaum Redezeit bei Plenardebatte zum Problemkomplex Krankenhauskeime!

Montag, 22 Juni 2015 20:50 geschrieben von  Rüdiger Dietrich

München - Am morgigen Dienstag, den 23.06.2015 berät der Bayerische Landtag im Rahmen seiner 48. Plenarsitzung unter Tagesordnungspunkt 10 über einen Antrag zum Thema Antibiotikaresistenzen und Bekämpfung der sogenannten Krankenhauskeime. Gemäß dem Antibiotika-Report der DAK vom vergangenen Jahr wurde nahezu ein Drittel der Antibiotika-Verordnungen aus 2013 als diagnostisch fragwürdig eingestuft, sowie 40 % von befragten Patienten nicht ausreichend über die Einsatzgebiete der Wirkstoffe informiert sind. Darüber hinaus ist als höchstproblematisch anzusehen, daß den über Sechzigjährigen häufig als Reserveantibiotika geführte Wirkstoffe verschrieben werden. Diese finden zudem im Bereich der Massentierhaltung regelmäßige Verwendung. Da die Träger resistenter Keime von in deutschen Krankenhäusern behandelten Versicherten kontinuierlich ansteigen und zwischen 2010 bis 2013 um über 30 % auf 20.000 anstiegen, zeigt, daß die bisher ergriffenen Maßnahmen auf Landes-, Bundes- und Europaebene nicht ausreichend wirksam sind. Die Entwicklung einer alternativen Phagentherapie hinkt der Ausbreitung resistenter Keime ebenso hinterher. Nicht zuletzt warnt die Weltgesundheitsorganisation seit Längerem immer wieder vor den Folgen eines Post-Antibiotika-Zeitalters.

Die am Dienstag vom Landtag zu behandelnde Drucksache  beinhaltet folgende konkrete Forderungen:

  • Sensibilisierung von Medizinerinnen und Medizinern in Kooperation mit Kassenärztlicher Vereinigung (KVB) und Bayerischer Landesärztekammer (BLÄK) mit den Eckpunkten:
  • Wissenschaftlich begründete Verordnungsweise von Antibiotika
  • Ausschöpfen alternativer Therapiestrategien
  • Einsatz von Schmalspektrum- statt Breitband-Antibiotika
  • Forschungsförderung im Bereich der Entwicklung neuer Substanzgruppen, sowie auch der Entwicklung diagnostischer Schnellmethoden für Arztpraxen.
  • Aufklärung der Patientinnen und Patienten über mögliche Gefahren des übermäßigen Gebrauchs von Antibiotika, über die notwendige Einhaltung der Verordnungsweise und der Dauer der Antibiotika-Einnahme.

Trotz der Bedeutung dieses Themas sind für diesen Tagesordnungspunkt inklusive des vorhergehenden jedoch nur 24 Minuten Redezeit, insgesamt für alle vier Landtagsfraktionen, vorgesehen. Die Beschlußempfehlung des federführenden Ausschusses für Gesundheit und Pflege rät dem Landtag sogar zur Ablehnung des Antrags, da im besagten Parlamentsausschuß einzig die einbringenden Bündnis90/Grünen sich dafür aussprachen. CSU und Freie Wähler lehnten den Antrag gemeinsam ab, während die SPD sich enthielt. Somit dürfte aktuell mit innovativen weiteren Maßnahmen im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen nicht zu rechnen sein – zumindest nicht seitens des Bayerischen Landtags.

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