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Kritische Stimmen

Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko in Osnabrück

Montag, 30 März 2015 22:10 geschrieben von 
Petro Poroschenko, Vitali Klitschko, John Kerry und Arsenij Jazenjuk (v.l.n.r., 2014 bei der Sicherheitskonferenz in München) Petro Poroschenko, Vitali Klitschko, John Kerry und Arsenij Jazenjuk (v.l.n.r., 2014 bei der Sicherheitskonferenz in München) Quelle: de.wikipedia.org | Foto: U.S. Consulate General Munich

Osnabrück - Der frühere Boxweltmeister und amtierende Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew, Vitali Klitschko ist zu einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Osnabrücker Friedensgespräche nach Osnabrück gereist. Vor dem Osnabrücker Rathaus und der Osnabrück-Halle gab es Proteste gegen den umstrittenen Politiker. Die örtliche SPD protestierte dagegen, dass sich Klitschko in das Goldene Buch der Stadt eintragen durfte.

Die Proteste richteten sich vor allem dagegen, dass Klitschko in der Ukraine mit ukrainischen Rechtsextremisten zusammenarbeitet. Auch erinnerten die Demonstranten an die ermordeten Maidan-Gegner von Odessa. So soll Andrej Jusow, ein Politiker aus Klitschkos Partei, zu Gewalt gegenüber Gegnern des Maidan aufgerufen haben.

Klitschko erklärte im Rahmen der Podiumsdiskussion die Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine als Krieg zweier Zivilisationssphären. Für Klitschko ist klar: „Die Ukraine ist ein Bestandteil der westlichen Zivilisation.“ Es sei somit nicht nur ein Konflikt zwischen der Ukraine und Russland, sondern zwischen dem Westen und Russland.

Klitschko warf Russland vor, demokratische Reformen in der Ukraine zu untergraben. Russland werte die demokratischen Bestrebungen in der Ukraine als Bedrohung für die „russische Diktatur“. Klitschko dazu weiter: „Ich weiß, welche Wirkung Propaganda hat, ich habe das selbst in der Sowjetunion erlebt.“ Indirekt warf er der russischen Regierung Gehirnwäsche vor.

Der frühere ARD-Osteuropakorrespondent Reinhard Lauterbach hält den Maidan dagegen nur zum Teil für einen proeuropäischen Aufstand, vielmehr seien auch antirussische Bestrebungen zu vernehmen gewesen. Auch sollen moskautreue Ost- und Südukrainer beleidigt worden sein. Lauterbach wies zum Beispiel darauf hin, dass die Maidan-Demonstranten Russen und russischsprachige Ukrainer beleidigten, indem sie das Russische als „Sprache der Okkupanten“ bezeichneten. Daraufhin entgegnete Klitschko: „Solche Plakate habe ich nicht gesehen.“ Lauterbach konterte: „Ich schicke Ihnen gern meine Fotos davon.“

Die divergierenden Ansichten der Maidan-Proteste belegen einmal mehr, dass auch dieser Konflikt mehrere Väter hat. Man wird nur zu einer nachhaltigen Lösung kommen können, wenn man die Interessen sowohl der Ukraine als auch Russlands zur Kenntnis nimmt und sich nicht einseitig als Lobbyist einer der beiden Seiten versteht. Dass es bisher zu keiner substanziellen Einigung kam, ist auch dem Umstand zu „verdanken“, dass der Westen sich bis heute nicht die Mühe gemacht hat, sich mit der Einkreisung Russlands und der damit verbundenen Bedrohung durch die NATO kritisch auseinanderzusetzen.

Letzte Änderung am Montag, 30 März 2015 22:18
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