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DGB besorgt

Knapp 300.000 Bewerber ohne Ausbildungsplatz

Samstag, 08 November 2014 02:17 geschrieben von  Susanne Hagel
Knapp 300.000 Bewerber ohne Ausbildungsplatz Quelle: dgb.de

Berlin - Wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bekannt gab, suchen derzeit in Deutschland noch 300.000 Bewerber einen Ausbildungsplatz.

Allein rund 170.000 Jugendliche hingen, laut DGB-Bericht, in diversen "Warteschleifen" - sie absolvieren beispielsweise gerade Praktika oder stecken in berufsvorbereitenden Maßnahmen. In der offiziellen Statistik tauchen diese Bewerber deshalb gar nicht auf, kritisiert der DGB mit Blick auf die Bundesanstalt für Arbeit, welche die Anzahl der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz Ende Oktober mit fast 21.000 (3,7 Prozent) angegeben hatte, weil sie schlichtweg nicht alle Suchenden erfasse, wie der DGB kritisiert. Während die Bundesagentur ihre endgültigen Zahlen erst Ende Januar kommenden Jahres veröffentlichen wolle, weil noch immer die Zeit der Nachvermittlungen läuft - Bewerber mitunter begonnene Ausbildungen wieder abbrechen und andere entsprechend nachrutschen -, erklärt Ulrich Rieger vom DGB Region Niederrhein: "Für uns zählt nicht wer am Ende übrig bleibt, sondern: Wer möchte einen Ausbildungsplatz und wie viele stehen real zur Verfügung". Der DGB beziffert die tatsächliche Zahl aller Bewerber ohne Ausbildungsplatz auf aktuell 288.308 Jugendliche. Damit sei die Zahl neuerlich trotz robuster Konjunktur und eigentlich günstiger Demografie angestiegen, so der DGB.

DGB-Vizechefin Elke Hannack forderte für die Zukunft eine konsequentere Stärkung der dualen Berufsausbildung. "Es sind mehr betriebliche Arbeitsplätze nötig und eine schnelle Anschlussregelung für den in diesem Jahr auslaufenden Ausbildungspakt", mahnte Hannack.

Trotz dieses Bewerberüberschusses klagen noch immer viele Gewerbe über einen Mangel an Auszubildenden. So seien vor allem in Berufen, die keine normalen Arbeitszeiten haben, wie beispielsweise bei Bäckern oder in der Gastronomie, noch immer Ausbildungsstellen frei. "Man arbeitet oft am Wochenende und außerhalb der normalen Arbeitszeiten. Das ist für Jugendliche schwer, die kein eigenes Auto haben. Und dafür gibt's aber häufig nur einen bescheidenen Lohn", erklärt Rieger das Paradoxon.

Unterdessen treibt die SPD ihre Pläne zu der angekündigten umfassenden Reform der Minijobs weiter voran. Man wolle künftig dafür sorgen, dass Arbeitgeber vom ersten Euro an die vollen Sozialbeiträge entrichten müssen, so der SPD-Bundestagsabgeordnete Markus Paschke. "Um eine Altersarmut zu vermeiden, sollen auch Minijobber den vollen Sozialversicherungsschutz genießen." Die Minijobs stehen auch deshalb in der Kritik, weil befürchtet wird, sie hielten gerade junge Leute davon ab, eine Ausbildung zu absolvieren. Minijobber sind jedoch im Hinblick auf die Absicherung durch Sozialversicherungen im Vergleich zu normalen Arbeitnehmern extrem benachteiligt. Wer bis 450 Euro im Monat verdient, muss weder Steuern noch Abgaben an die Sozialversicherung zahlen - hat aber logischerweise auch keinen Sozialversicherungsschutz. Die Neuerung, auch als Minijobber in die Rente einzuzahlen, erwies sich in der Zwischenzeit als unzureichend: Rund 70 Prozent der Geringverdiener ließen sich im vergangenen Jahr von der Rentenversicherung freiwillig befreien. SPD-Fraktionskollegin Gabriele Hiller-Ohm befand den Anstieg der 450-Euro-Jobs der vergangenen Jahre als "besorgniserregend". Aufgrund dieses Anstieges und der drohenden Altersarmut müsse das Ziel der SPD eine Arbeitsvertragspflicht für Minijobber "mit den grundlegenden tariflichen Ansprüchen" sein, so Hiller-Ohm.

Die CDU sieht hingegen derzeit "keinen akuten gesetzgeberischen Handlungsbedarf", wie der CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke erklärte.

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