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Katastrophale Zustände

Lageso-Chef schmeißt hin

Freitag, 11 Dezember 2015 00:06 geschrieben von  Susanne Hagel
Mario Czaja Mario Czaja Quelle: cdu-fraktion.berlin.de | Pressefoto

Berlin - Bevor er vom zuständigen Berliner Sozialsenator Mario Czaja (CDU) seines Amtes enthoben werden konnte, entschied sich der bisherige Chef des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin, Franz Allert, lieber selbst zu gehen. Seine Behörde ist neben dem Berliner Flughafen BER das wohl größte Pannenobjekt der deutschen Hauptstadt. Bereits seit Monaten beherrscht es aufgrund der unzumutbaren Zustände die Schlagzeilen der Presse.

Tagtäglich warten vor den Türen der Behörde Tausende Asylbewerber, um sich zu registrieren. Im Gebäude selbst herrscht das reine Chaos: Unbearbeitete Fälle stapeln sich, längst gibt es Mitarbeiter, die nur damit beschäftigt sind, den lieben langen Tag Akten zu suchen.

Bereits im November kündigte der Regierende Bürgermeister Berlins, Michael Müller (SPD), an, die „inakzeptablen“ Zustände am Lageso nicht länger hinnehmen zu wollen: Er erwarte umgehende Veränderungen in der Behörde. Diese wiederum liegt im Zuständigkeitsbereich von Sozialsenator Czaja. Am Mittwochabend konkretisierte Müller seine Forderungen erneut: „Wir brauchen eine neue Spitze im Lageso, die ihre Verantwortung wirklich wahrnimmt. Dafür ist die Sozialverwaltung zuständig, das zu organisieren.“ Doch bevor Czaja Behördenchef Allert feuern konnte, erklärte dieser lieber selbst seinen Rücktritt.

„In Anbetracht der massiven persönlichen Kritik an Franz Allert hat dieser mich gebeten, ihn mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben zu freizustellen. Ich werde dieser Bitte entsprechen und respektiere diesen Schritt“, erklärte Czaja. Überdies sei auch er der Meinung, dass die Zustände im Lageso „auch einer personellen Erneuerung bedürfen“.

Unterdessen erntet Müller für seine Personalentscheidung Kritik. Stefan Evers, der stellvertretende CDU-Fraktionschef, erklärte, Allerts Abgang sei völlig unnötig gewesen. Ab kommenden Jahr wird sich ein neugeschaffenes Amt allein um die Asylanten kümmern. „Ob es also jetzt noch so kurz vor Toresschluss für Herrn Allert noch einmal dieser öffentlichen Hinrichtung bedurft hätte, das weiß ich nicht“, kritisierte er.

Die Fraktionschefin der Grünen, Ramona Pop, kritisiert die Entscheidung ebenfalls: „Wenn man die Lage am Landesamt für Soziales und Gesundheit verbessern will, dann reicht das Bauernopfer Allert nicht aus.“ Müller müsse dann „auch denjenigen entlassen, der der Lage offenbar nicht gewachsen ist, nämlich den verantwortlichen Senator Czaja“, forderte die Grünen-Politikerin.

Müller kündigte unterdessen mehrere Verbesserungen am Lageso an: Neben einem umgestellten Wartesystem sollen externe Dienstleister bei der Registrierung der Asylanten helfen.

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