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Kritik des Deutschen Philologenverbands:

Lernschwache Schüler leiden unter Flüchtlingskrise!

Donnerstag, 04 Februar 2016 03:07 geschrieben von  Rüdiger Dietrich

Berlin – Im bildungspolitischen Bereich erlebt man seit Jahren schon so manche Reform genannte Flickschusterei, die nicht selten von gewisser Realitätsferne oder ideologischen Lebenslügen geprägt war, und kaum auf einem politischen Gebiet wurde so intensiv gestritten. Neben den Bildungskonzepten an sich war es regelmäßig der Personalstreit, der sich wie ein roter Faden durch sämtliche Bildungsdebatten zog. Und gerade im Lichte der Flüchtlingskrise, die man sehr vorschnell, wie sich zeigte, mit der Fachkräftedebatte verknüpfte, und mit Blick auf die schulpflichtigen Flüchtlingskinder entstand für die Kultusministerien akuter Handlungsbedarf. Doch auch hier zeigt sich, dass die Praxis sich oftmals schwieriger gestaltet als mittels der theoretischen Wunschvorstellung erwartet. Darauf machte nun - auch wenn es im politisch korrekten „Wir schaffen das-Klima“ als unbotmäßig gilt – der Deutsche Philologenverband unmissverständlich aufmerksam. Der Schulbetrieb, insbesondere förderbedürftige einheimische Schüler leiden unter der Flüchtlingskrise, lautet die Feststellung.

Unter dem Flüchtlingsansturm nach Deutschland allein im vergangenen Jahr befanden sich etwa 325.000 schulpflichtige Flüchtlingskinder. Gemessen an der OECD-Durchschnittsklassengröße von 23,3 Schülern bedeutet dies rechnerisch grob überschlagen fast 14.000 zusätzliche Schulklassen in nur einem einzigen Jahr. Und dabei handelt es sich um „Klassen“ der besonderen Art, die nicht mit einer originären deutschen Schulklasse verglichen werden können. So weit möglich wurden für diese Klientel der Flüchtlingsschüler Übergangsklassen, zuweilen auch Willkommensklassen genannt, eingerichtet, doch war dies nicht zur Gänze umsetzbar, so dass ein nicht unerheblicher Teil dieser Kinder direkt in den Regelklassen landete. Zum Jahreswechsel gab es deutschlandweit etwa 8300 solcher Übergangsklassen. Und wenngleich man es aus den vergangenen Jahren auch gewohnt war, dass um nahezu jede einzelne Lehrerstelle regelrechte Kämpfe stattfanden, so wurden hierfür relativ geräuschlos um die 8500 zusätzliche Lehrer eingestellt. Benötigt würden jedoch - und diesbezüglich sind sich erstaunlicherweise die Kultusministerkonferenz mit den Bildungsverbände- und -gewerkschaften einig - etwa 20.000 neue Lehrkräfte. Diese sollten aufgrund der zugewanderten Schülerklientel zudem die Qualifikation für Deutsch als Zweitsprache vorweisen können.

Aufgrund dieser Situation wies Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands, aktuell darauf hin, dass die sogenannten freie Stundenkontingente zunehmend für die Extrabetreuung der Flüchtlingskinder aufgewandt würden, worunter insbesondere lernschwache einheimische Schüler zwangsläufig litten. Meidinger machte in diesem Zusammenhang zudem auf einen seitens der Integrationsbeauftragten häufig übersehenen integrationsspezifischen Aspekt aufmerksam. Denn betroffen von dieser Fehlentwicklung wären nicht selten auch schon länger in Deutschland verweilende Migrantenkinder, die häufig aus sprachlichen Gründen ebenfalls auf diese freien Stundenkontingente angewiesen wären und speziellen Förderbedarf hätten, und deren Integrationserfolg somit aufs Spiel gesetzt würde.

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