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Linken-Initiative - Sozialistische Einheitsbeglückung?

Linken-Initiative für Grundrecht auf Urlaub wird im Sommerloch heiß diskutiert

Dienstag, 12 August 2014 13:34 geschrieben von  Jens Hastreiter
Linken-Initiative für Grundrecht auf Urlaub - Katja Kipping Linken-Initiative für Grundrecht auf Urlaub - Katja Kipping Foto: Anke Illing, www.photocultur.de

Magdeburg - Die Partei „Die Linke“ Link sorgt im medialen Sommerloch für Schlagzeilen. Parteichefin Katja Kipping hat jetzt ein Grundrecht auf Urlaub eingefordert. Bei Experten trifft sie damit auf Zustimmung, Kritiker wittern dagegen einen staatlichen „Urlaubs-Kollektivismus”.

Ihren Vorstoß begründete die Linken-Vorsitzende in einem Interivew mit der „Welt am Sonntag“ mit der Tatsache, daß sich jeder Fünfte in Deutschland keine Ferienreise leiste – und das ausgerechnet in einem Land, das mit seinen Sozialleistungen europaweit in der Spitzengruppe liegt und immer noch als Reiseweltmeister gilt.

Die Lösung könnten für die Linkspolitikerin Urlaubsgutscheine sein. „Alle Menschen mit niedrigem Einkommen, also Sozialleistungs- und Wohngeld-Berechtigte, sollten Gutscheine erhalten, die sie für Urlaubsreisen einlösen können”, sagte sie. „Entweder in Jugendherbergen, bei der Bahn für Fahrkarten oder im Reisebüro.” Eine Summe von 500 Euro pro Jahr hält sie dabei für angemessen. „Kindern sollten wir grundsätzlich anbieten, zwei Wochen kostenfrei Urlaub im Ferienlager oder in Ferienfreizeiten zu machen.”

Mit ihrer Grundidee trifft Katja Kipping Link auf viel Unterstützung. Vor allem, daß Kinder aus bedürftigen Familien immer noch viel zu selten oder gar nicht in die Ferien fahren können, sorgt bei Sozialverbänden und Familienpolitikern von der Union bis zu den Grünen für viel Kritik. Laut Kipping sind es rund drei Millionen Kinder in Deutschland, die im Sommer 2014 nicht wegfahren können.

Es gibt aber auch kritische Anmerkungen. So warnt der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, vor einem „neuen Gutscheinmurks” wie beim Bildungs- und Teilhabe-Paket, das 2011 von der damaligen schwarz-gelben Bundesregierung eingeführt worden war. „Es muß vor Ort geregelt werden, wie die Förderung passiert. Jugendverbände haben hier eine Schlüsselrolle einzunehmen.” Auch bei den Erwachsenen seien 500-Euro-Gutscheine wenig zielführend. Vielmehr sollten die bestehenden Angebote etwa über das Müttergenesungswerk oder für Mutter-Kind-Kuren weiter ausgebaut werden.

Auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) spricht sich für Nachbesserungen aus. „Mit zehn Euro pro Monat und Kind, die das Bildungs- und Teilhabe-Paket vorsieht, sind selbst die kostengünstigsten Ferienfreizeiten nicht zu finanzieren”, kritisiert die Verbandsvorsitzende Lisi Maier. Sie will Kippings Vorschlag noch ausweiten: „Auch Familien mit vielen Kindern und geringem Einkommen haben oft Probleme, sich den Urlaub oder die Beiträge für mehrere Freizeiten leisten zu können.” Auch hier müsse der Staat einspringen.

Deutliche Ablehnung signalisierte unterdessen der familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Marcus Weinberg (CDU), der Kippings Gutschein-Vorschlag rundweg als „sozialistische Einheitsbeglückung durch den Staat” versteht. „Statt pauschalem Urlaubs-Kollektivismus brauchen wir abgestufte Unterstützungs- und Förderangebote für Familien in schwierigen Situationen”, fordert der Familienpolitiker. Ersichtlich ist: der linke Einheits-Urlaub erhitzt die Gemüter. Das Thema dürfte spätestens wieder in der Versenkung verschwinden, wenn mit dem Ende der Medien-Sommerpause wieder substantiellere Themen in die Schlagzeilen drängen.

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