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Irre Sicherheitslogik

Müssen die Kurden unbedingt in Deutschland ausgebildet werden?

Mittwoch, 01 Oktober 2014 07:18 geschrieben von  Torsten Müller
MILAN ER MILAN ER Quelle: wikimedia.org | CC BY 2.0

Berlin - Deutschland hat sich nicht nur bereit erklärt, die Kurden im Irak mit Waffen auszustatten, damit sie dort gegen die IS-Miliz bestehen können. Darüber hinaus ist auch geplant, dass Kurden an deutschen Waffen ausgebildet werden. Sechs Bundeswehrausbilder sind bereits in den Nordirak gereist, um dort kurdische Soldaten mit den gelieferten Waffen vertraut zu machen.

Wie ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums nun mitteilte, werden kurdische Peschmerga auch in Deutschland ausgebildet. So werden sie in der Infanterieschule im bayrischen Hammelburg in den Umgang „Milan“-Panzerabwehrraketen eingewiesen. Insgesamt sollen 30 Kämpfer ausgebildet werden.

Die Bundeswehr hat den kurdischen Peschmerga bereits 500 Raketen, 16.000 Gewehre und mehrere Millionen Schuss Munition bereitgestellt. Die Belieferung wird von Leipzig aus vorgenommen. Deutschland soll insgesamt 10.000 Kämpfer ausrüsten.

Aus sicherheitspolitischen Erwägungen muss bezweifelt werden, ob es so sinnvoll ist, durch eine immer intensivere Einbeziehung deutscher Truppen hierzulande weitere Ziele für potentiellen Terrorismus zu schaffen. Es ist fahrlässig, sich zwar außenpolitisch an der Zurückdrängung der IS-Miliz zu beteiligen – was bisher alles andere als erfolgversprechend aussieht – aber im Inland keinerlei Maßnahmen zu treffen.

So lange ausreisende islamistische Kämpfer problemlos wieder in die Bundesrepublik zurückkehren können, so lange die Sicherheitsbehörden sich nach eigener Aussage nicht imstande sehen, die islamistischen Strukturen in Deutschland angemessen zu überwachen, so lange Hassprediger in deutschen Moscheen weiterhin straffrei Dschihadisten rekrutieren können, birgt jede Beteiligung der Bundeswehr am Kampf gegen den „Islamischen Staat“ mehr Risiken als Nutzen.

Auch darf bei aller Solidarität mit den Kurden nicht vergessen werden, dass die Kurden sich noch vor wenigen Jahren gegen den Irak und gegen die Türkei wandten, um einen eigenen Staat zu erkämpfen. Niemand kann mit Sicherheit sagen, ob sie dies nicht schon in wenigen Monaten wieder versuchen werden – dann mit deutschen Waffen, an denen sie von Deutschen ausgebildet wurden.

Auch die USA haben vor nicht allzu langer Zeit syrische Rebellen ausgebildet, damit diese gegen den syrischen Präsidenten Assad kämpfen können. Nun ziehen diese „Rebellen“ brandschatzend als IS durch die Lande und ermorden Kurden, Christen und „gemäßigte“ Moslems. So schnell können sich die Zeiten ändern.

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